Es ist nun schon fast zur Gewohnheit geworden, vor jedem Länderwechsel meldet sich unser Bus und fordert seine Aufmerksamkeit. Diesmal ist es wieder mal der Keilriemen… Aus Erfahrung haben wir inzwischen ein ganzes Sortiment an Ersatzteilen an Bord, diesmal kommt ein Keilriemen aus Laos auf den Generator.

Keilriemen Nr. 6 hat nur noch einen Schauwert

Auf dem Parkplatz eines Supermarktes wechselt Christian den Keilriemen, Anne geht in der Zwischenzeit einkaufen.
Eine Overlanderfamilie aus Österreich bietet uns spontan ihre Hilfe an, dass haben wir fast in jedem Land erlebt, egal wo man ist, Hilfe bekommt man überall.

Algarve

Mit Portugal verbindet jeder die Region Algarve, eine traumhafte Küstenlandschaft. Bei herrlichen warmen Sonnenwetter wandern wir auf sehr gut ausgebauten und ausgeschilderten Wanderwegen entlang der Steilküste und kilometerlangen Sandstränden.

Wir besuchen den kleinen Landschaftspark Ria Formosa, eines der wichtigsten lagunaren Vogelschutzgebiete Europas. Hier leben geschützt zahlreiche seltene Vogel- und Fischarten. Wir beobachten nicht nur Vögel sondern haben auch das Glück, bei gerade anstehender Ebbe tausende von Fiedler-Krabben zu beobachten.

Bis Lagos ist das Küstengebiet touristisch sehr ausgebaut, doch fällt uns auf, dass die Hotelbauten selten höher als drei Stockwerke sind, ganz anders als die Hotelburgen in Spanien oder der Türkei.

Wir fahren bis zum südwestlichsten Zipfel von Portugal, sozusagen dem Ende von Europa. Hier gibt es nicht nur die letzte Bratwurst vor Amerika…

Hier gibt’s die letzte Bratwurst vor Amerika

…sondern ab hier beginnt auch ein großes, über 80 km langes Naturschutzgebiet, welches nicht bebaut werden darf.

Naturpark Südwest-Alentejo

Anders als an der südlichen Algarve ist dieser Teil der Westküste geprägt von rauen schroffen Steilküsten und wunderschönen Sandstränden und Buchten, die größtenteils nur mit einem Allrad zu erreichen sind. Wir sind ganz erstaunt und überrascht, als wir Weißstörche entdecken, die auf den rauen Klippen ihre Horste gebaut haben. Wir recherchieren darüber und lesen, dass in diesem Park, die weltweit einzige Stelle ist, wo Weißstörche in Klippen nisten.

In dem Naturpark wechseln sich dichte Eichen-, Kiefern- und Eukalyptuswälder mit lichten Wiesen- und Sumpfgebieten ab. Jetzt im Frühling blühen die Wiesen und Feuchtgebiete und wir erfreuen uns an dem satten grün und der bunten Farbenpracht.

Da diese Gebiete nur über ein kleines Wegenetz zugänglich sind, finden wir wieder schöne freie Stellplätze und genießen die Natur.


Innenland

Neugierig sind wir auch auf das Innenland. Portugal ist ja ein sehr schmales und kleines Land und unsere Reise führt uns immer wieder von der Küste ins Innenland. Das Land mit seiner abwechslungsreichen Natur, dem zur Zeit satten, grünem Hügelland, den Wäldern und Flusslandschaften und den vielen Natursteinmauern, erinnert uns sehr an Irland.

Korkeichen
stapelweise geerntete Korkrinde

Das Innenland ist relativ dünn besiedelt. Jede Ortschaft ist durch eine typische Bebauung geprägt. Hübsche kleine orangeweiße oder blauweiße Fassaden, wechseln sich ab mit Fliesen- oder Natursteinfassaden. Die Häuser sind oft sehr klein und passen gut ins Landschaftsbild.

In Santiago do Cacem gibt es noch einige landestypische Steinwindmühlen. Die Einzige, noch funktionsfähige Windmühle, kann besichtigt werden und wir haben das Glück, von einem sehr freundlichen „Windmüller“ die Mühle erklärt zu bekommen. Da gerade eine leichte Briese weht, erleben wir live, wie das Maiskorn unter dem schweren Mühlenstein zu Mehl gemahlen wird.



Evora

Aus römischer Zeit kann man den Diana-Tempel, sowie ein gut erhaltenes Aquädukt und die römische Burganlage besichtigen. Zu den besonderen und viel besichtigten Sehenswürdigkeiten in Evole gehört die Kapelle der Knochen. Die Innenwände der Kapelle sind alle mit menschlichen Knochen verziert, also ein Beinhaus, an dessen Wänden menschliche Knochen gestapelt sind, wohl nicht jedermanns Sache.



Evora, ist eine für portugiesische Verhältnisse größere Stadt im Innenland, deren historisches Zentrum zum UNESCO- Weltkulturerbe gehört.

Durch das wunderschöne Innenland fahren wir zurück zur Küste. Wir wollen uns auch die Hauptstadt Lissabon und die Stadt Porto am Meer anschauen. Schon ca. 50km vor Lissabon ist alles dicht besiedelt und der Verkehr nimmt stark zu. Wir fahren vorbei an unzähligen Autohäusern (so viele haben wir in keinem anderen Land auf unserer Reise gesehen) und Gewerbegebieten.

Lissabon

Lissabon ist eine der kleinsten europäischen Hautstädte und strahlt durch die Lage am Meer und der Altstadt, die an einer Hügelkette emporsteigt, einen besonderen Reiz aus. Viele Kulturen haben die Stadt geprägt. Einige historische Gebäude gehören zum UNESCO- Weltkulturerbe.

Wir bummeln lange durch die romantischen Gassen der Altstadt mit ihren unzähligen kleinen Lädchen und entdecken dabei die älteste, durchgängig betriebene Buchhandlung der Welt. Sie wurde 1773 eröffnet und befindet sich in mehreren gewölbeartigen Räumen.

Die älteste durchgängig betriebene Buchhandlung der Welt

Nur 60 km von Lissabon entfernt ist der 85 ha große Park Pena, mit dem besonderen Pena Palast. Der Wald und Garten ist ein landschaftsarchitektonisches Meisterwerk der Romantik des 19. Jhd. und wurde 1838 von Dom Fernando II., dem Sohn von Ferdinand, Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha und seiner Frau, Dona Maria II., angelegt.

Der Park mit seinen Schlössern, der Burg und den Gärten gehört zum UNESCO Weltkulturerbe.

Den ganzen Tag bummeln wir durch die Gärten und bestaunen die gerade blühenden Rhododendren, Kamelien, Azaleen und Fuchsien. Auch alte Baumfarne und schöne alte Gewächshäuser gibt es zu entdecken.

Das wunderschöne Schloss, in mehreren historischen Baustilen errichtet, inspirierte übrigens Ludwig von Bayern zum Bau seines Schlosses Neuschwanenstein.

Coimbra

Auf dem Weg Richtung Porta machen wir einen Abstecher nach Coimbra. Hier thront auf einem Berg eine der ältesten europäischen Universitäten und die älteste Universität von Portugal, mit einer der schönsten und prächtigsten Bibliothek.

In unmittelbarer Nähe befindet sich der Botanische Garten mit riesigen alten Bäumen und hier machen wir Pause.

Porto

Porto ist die zweitgrößte Stadt in Portugal. Die schöne Altstadt, die wir zuerst besichtigen, gehört ebenfalls zum UNESCO- Weltkulturerbe.


Die hübsche Stadt wurde am Fluss Douro erbaut. Ähnlich wie die Mosel, windet sich der Fluss durch das Bergland. An seinen Hängen wird hauptsächlich Wein angebaut, es ist der berühmte Portwein.

Im Hafen liegen die kleinen Boote mit den großen Weinfässern, auf denen der Wein transportiert wurde. Viele Weinlagerhallen können besichtigt werden und natürlich kann dabei  auch der gute Portwein probiert werden.

Mit diesen Booten wurde der Portwein aus der Region nach Porto transportiert
Die angeblich älteste Portweinhandlung der Welt
Wir haben Portwein probiert, ist nicht unsere Sache…

Wenn möglich übernachten wir im Wald oder am Meer. Nach unserem Besuch in Porto haben wir einen Stellplatz am Meer, in einem lichten Kiefernwald gefunden. Hier entdeckten wir bodendeckend Callas, bei uns als Friedhofsblume bekannt. Hier im Wald sah sie schön natürlich aus.


Über Spanien, Frankreich, Italien und durch die Schweiz werden wir nun wieder nach Hause fahren. Kaum zu glauben, wie schnell ein ganzes Jahr vergehen kann.

Unser Sabbatjahr war oft abenteuerlich und auch manchmal anstrengend, zum Ende hin sehr erholsam. Wir haben unwahrscheinlich viel über die Geschichte, Geographie, Kultur und Religionen der Länder, die wir bereist haben, gelernt und erfahren. Die oft herzlichen Begegnungen mit den Menschen werden wir wohl nie vergessen. Wir können nur jedem empfehlen, egal ob mit oder ohne Kinder, sich so eine Auszeit zu nehmen. Mal über den eigenen „Tellerrand“ zu schauen erweitert unwahrscheinlich den eigenen Horizont und gibt eine andere Sicht auf das Leben in dieser Welt.

Auf unserer Reise sind wir nicht nur auf drei Kontinenten gewesen, sondern auch in verschiedenen Klimazonen. Vor allem die Natur hat uns jedes Mal sehr beeindruckt. Auf unserer Reise haben wir das Buch „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur “ von Andrea Wulf gelesen. Es ist die Biografie von Alexander von Humboldt, der vor ca. 200 Jahren die Welt zu Fuß, mit Pferdekutsche und Schiff bereiste und erforschte. Dieses Buch war der ideale Reisebegleiter für uns und wir können es sehr empfehlen.

Zum Abschluss unserer Reise haben wir noch einige Entdeckungen, Fakten und Erfahrungen als kleines Fazit in einem kleinen Beitrag auf der nächsten Seite zusammen gefasst.

Viel Spaß beim Lesen.