27. REISELAND MAROKKO – Teil 1

Nun noch mal schnell nach AFRIKA…bevor unser Sabbattical zu Ende geht. Wir wollen noch ein kleines bisschen Wärme und Abenteuer tanken, bevor wir zum Osterfest wieder nach Hause fahren.

Die Fährtickets besorgen wir uns bei Carlo (DER Ticketverkäfer für alle Marokkofans :)) …doch dann, genau vor seinem Laden knallt es! Ein LKW holt in der Kurve zu weit aus und rammt unseren parkenden Bus 🙁

Die rechte Hecksäule wird gefaltet…

wieder mal hinten rechts…

Die Falte könnte zum Aufhebeln der Heckklappe verleiten und wir überlegen kurz, ob wir damit nach Afrika übersetzen. Doch inzwischen haben wir schon etliche Blessuren am Auto und falls noch Folgeschäden auftreten, geholfen wurde uns bisher überall. Trotzdem füllen die üblichen Unannehmlichkeiten mit Versicherung und Co den ganzen Nachmittag und am Abend repariert Christian am Strand notdürftig die Lackschäden.

Am nächsten Morgen starten wir nun doch voller Vorfreude mit der Fähre nach Marokko.

Wir waren bereits vor sechs Jahren schon einmal in Marokko. Damals hat uns der Süden mit der Wüste Sahara und den Oasendörfern sehr beeindruckt und wir beschließen, gleich in den Süden zu fahren.

Von Tanger aus fahren wir zunächst durch sattgrüne Kiefer- und Steineichenwälder. Bei diesem Anblick glaubt man nicht, dass man in Afrika ist.

Wir machen einen kleinen Zwischenstopp in dem Örtchen Chefchaouen. Das Besondere dieser kleinen malerischen Stadt im Rif-Gebirge, sind die blauen Fassaden der Häuser in der Altstadt.

Es macht viel Spaß, durch die engen hellblauen Gassen der Stadt zu bummeln und sich dabei schönen bunten Handarbeiten, die ja überall reichlich angeboten werden, anzuschauen.

Nun geht es weiter in Richtung Süden entlang endloser Olivenhaine.

Eine herzliche Begegnung haben wir mit einem Berber und seinem Sohn, an dessen Olivenhain wir übernachten.

Er schenkte uns spontan einen Teller voller schwarzer köstlicher Oliven. Sein Sohn brachte uns am späten Abend noch frische Eier und wir fühlten uns in diesem schönem Land sehr Willkommen.

Lange fahren wir durchs „Olivenland“ 🙂

Auf der Tour in Richtung Süden machen wir einen Zwischenstopp in Fes.

FES

Fes ist die älteste der vier Königsstädte des Landes und wurde 800 Jahre n. Chr. gegründet. Heute leben hier mehr als eine Millionen Menschen. Die Stadt liegt in einer Tiefebene und ist seit alters her ein wichtiger Handelsplatz zu Europa.

Unser erster Weg führt uns in die Medina ( Altstadt), die größte Medina Nordafrikas, seit 1981 gehört sie zum UNESCO Weltkulturerbe.

Das blaue Tor ist eines der bekanntesten Eingangstore zur Medina in FES

In der Medina wird alles an Handwerkskunst angeboten, was das Land zu bieten hat…

Neben Gewürzen und Trockenfrüchten, Tee und Kaffee gibt es auch ganz frisches Obst und Gemüse, aber auch Haushaltartikel und Bekleidung werden angeboten.

Längere Zeit verweilen wir in einer Gerberei. Wir schauen den Gerbern bei ihrer schweren Handarbeit zu und sind aufs Neue beeindruckt, was sie für schöne und farbenfrohe Produkte aus dem rauen Leder herstellen.

Die Stadtmauer von FES

Von Fes aus fahren wir nun über den Mittleren Atlas in einer Höhe von über 2.000 m direkt in die Wüste.

Doch vorher genießen wir bei herrlichem Sonnenschein das schöne Gebirge.

Auch im Gebirge finden wir einsame schöne Plätze zum übernachten. Die Nächte sind sehr kalt, doch die aufgehende Sonne wärmt schnell die kalten Füße.

Um Erfoud sehen wir nun die ersten Oasen und am Straßenrand bieten Kinder Datteln zum Verkauf an.


Erg Chebbi

Endlich Wüste, Sonne pur und jede Menge Dromedare…

Erg Chebbi ist eine Dünenlandschaft der Sahara. Wir genießen jetzt im Februar warme 25 Grad und haben zum Glück nur wenig Wind.

Wir wandern über die Dünen, die Farbe des Sandes ändert sich mit dem Lichteinfall. Am schönsten leuchtet der Sand  bei untergehender Sonne.

Hier ist nun viel Platz für jeden und wir übernachten am Dünenrand in der Wüste. Der Sternenhimmel in der Nacht ist unbeschreiblich schön doch leider sind die Stille und der Sternenhimmel nicht auf einem Foto erfassbar.



Wir fahren entlang der algerischen Grenze. In den wenigen kleinen Dörfern und Städten entlang der Wüste verläuft das Leben noch ruhig und unaufgeregt. Hier kaufen wir reichlich Obst und Gemüse und unsere erste Tajine.

Das Gemüse wird auch hier mitten in der Wüste angebaut. Auch die Melonenpflanzen blühen schon…

Über dem Lagerfeuer bereiten wir in einer kleinen Oase unsere erste Gemüse-Tajine zu und mit den edlen afrikanischen Gewürzen schmeckt sie orientalisch und wunderbar.

Als unser treuer Bus mal wieder einer kleiner Reparatur bedurfte, kamen sofort zwei Jungs vom Feld gerannt und packten, ohne große Worte zu machen mit an. Im Nu war der Keilriemen gewechselt und die Jungs ganz glücklich über Schreibstifte und Süßigkeiten.

Dades und Todra Schlucht

Von der Wüste aus machen wir einen Abstecher in die zwei tiefen und faszinierenden Schluchten im Süden des Atlasgebirges. Durch die Schluchten schlängeln sich schmale Straßen vorbei an schönen Dörfern mit vielen braunen Lehmhäusern, einer Felsformation, die Affenfußfelsen genannt wird und natürlich auch die vielen orientalischen Verkaufsständen mit Töpfer-, Web-, und Schmiedewaren.

Rückblick Tata

Sobald man die Engstellen passiert hat, ist man fast allein auf einer wundeschönen Tal- und Passstrasse unterwegs. Bei den Engstellen drehen die Touristenbusse um und nur Individualreisende mit robusten Fahrzeugen sind nun anzutreffen. Wir genießen die herrliche Landschaft mit den bizarren Felsformationen und erleben wieder eine kühle Nacht in 2.300 m Höhe.

 Am späten Abend gesellen sich Eveline und Manfred aus Österreich zu uns, die mit ihrem Allrad – Reisemobil auf einer 30 km langen abenteuerlichen Piste und mehr als 8 Stunden Fahrt nun froh sind, es über die Kammpiste geschafft zu haben. Wir erleben einen langen fröhlichen Abend mit herrlichen Reisegeschichten von Manfred und Eveline.

Von der Wüste zur Küste

Auf der N 12 fahren wir über Zagora in Richtung Küste. Bereits vor 6 Jahren sind wir ein Teilstück dieser Strecke gefahren und sind erstaunt, wie schnell in Marokko das Straßennetz ausgebaut wird. Fast alle größeren Ortschaften sind heute auf Asphaltstraßen erreichbar. Sicher werden in den nächsten Jahren die kleineren Ortschaften ebenfalls an das ausgebaute Straßennetz angeschlossen. Viele Straßen sind in einem akzeptablen Zustand, schmal und eher häufig mit abgefressenen Straßenrändern aber vielen Leitblanken.

Unterwegs fahren wir durch viele Ortschaften, die immer noch durch die alten Lehmbauten, den Kashbas, geprägt sind. Lehm ist der natürliche Baustoff in den Oasendörfern und wird, neben dem nunmehr häufig verwendeten Beton, immer noch zum Bauen verwendet.

Rückblick Wüste

 Es ist eine Fahrt durch Sand- und Steinwüsten, vorbei an bizzaren graubraunen Gebirgsketten, von Oase zu Oase. Es ist ein toller Anblick, die teilweise mehrere Kilometer langen Palmenoasen bereits aus der Entfernung zu sehen.

Rückblick Meknes

Wir nutzen mehrfach die Gelegenheit und wandern zu Fuß durch die Oasen. Diese werden von einem ausgeklügelten Bewässerungssystem mit frischem Wasser versorgt, so dass zwischen den Dattelpalmen viel Gemüse wie Kartoffeln, Möhren, Tomaten, Auberginen, Zucchini und Getreide angebaut wird. Mitten in den Oasen, abseits der tangierenden N 12, stehen kleine Dörfer mit niedrigen Lehmhäusern, alle umgeben mit einer großen Mauer. Hier scheint tatsächlich die Zeit stehen geblieben zu sein. Tut sie nicht, das sieht man an den SAT-Schüsseln.

Von Zagora, über Ouarzazate reisen wir nach Guelmin.  Von hier führt eine schmale Straße zu einer Oase mit dem Namen Fort Bou Jerif… Entlang der Strecke sind die Berghänge mit Kakteen bepflanzt. Die Früchte der Kakteen gelten als Delikatesse und auch wir kosten diese wirklich leckeren Früchte. Was wir natürlich nicht beim Ernten beachtet haben, sind die vielen kleinen Stacheln an unseren Händen, die uns nun mehrere Tage an das Naschen erinnern.

Da wir uns nun teilweise abseits der Straße auf Pisten bewegen, passiert es uns auch mal, dass wir unser Ziel nicht finden und umkehren müssen. Trotzdem eine wunderschöne Fahrt und als wir am Nachmittag noch unsere Tajine an einer schönen Wasserschlucht auspacken, freuen wir uns mal wieder über das freie Leben eines Overlander.

Im und am Wasser entdecken wir Schildkröten, die jedoch sehr misstrauisch sind und bei der kleinsten Bewegung sofort abtauchen.

Guelmin ist unser südlichster Punkt auf der Marokkotour und wir fahren auf der N 1 nach Agadir, die letzten große Stadt vor der Westsahara. In Agadir müssen wir uns mal wieder die Augen reiben, denn diese Stadt ist geteilt in den ursprünglich westafrikanischen Teil mit Souk und engen verwinkelten Straßen.

An der Küste, der moderne, mehr europäische Stadtteil, der vorzugweise von Touristen besucht ist. Hier findet man Hotelviertel mit Spielkasinos, Nachtclubs und Supermärkten, aber alles sehr künstlich und nicht authentisch.

Wir stehen direkt am Atlantik, genießen Sonne und Meer, da kommt ein Fischer und bringt uns einen großen frischen Fisch, gerade aus dem Meer gefischt. Den kaufen wir natürlich gern, denn frischer geht es nicht. Der gute Mann nimmt den Fisch gleich aus und entschuppt ihn, nun brauchen wir ihn nur noch grillen.

Nun reisen wir weiter in das Herz des Landes, nach Marrakesch, die Stadt aus Tausend und einer Nacht…