Nachdem wir uns anderthalb Wochen in Georgien am Schwarzem Meer von der sibirischen Kälte erholt haben, geht es nun mal wieder im Eiltempo in nur 2 Tagen vom Norden der Türkei in den Südosten ans östliche Mittelmeer nach Silifke, von hier gibt es die einzige Fährverbindung nach Zypern.

Um vom Norden der Türkei zum Südosten ans Mittelmeer zu kommen, müssen wir über zwei Hochgebirgspässe und wie schon befürchtet, liegt auch da schon Schnee und in der Nacht frieren wir mal wieder bei -5 Grad.

Trotz alledem genießen wir die Fahrt durch die raue Gebirgslandschaft.

Auf den Steinfeldern in den Hochebenen in der Türkei beobachten wir, die zu Ende gehende Ernte der Baumwolle und ein neues Mitbringsel schmückt das Armaturenbrett unseres Busses.

 

In der Türkei wurden wir wieder überrascht von der Freundlichkeit der Türken. Auf der Suche nach einer Gasabfüllstation wurden wir ganz selbstverständlich von einem jungen Mann in seinem PKW mit unserer Gasflasche durch die engen Gassen der Innenstadt gefahren. Die Flasche wurde ausgetauscht. Dann ging es zurück zu unserem Auto. Wir wurden noch zum Kaffee eingeladen und sollten von unserer Reise berichten, was wir gern taten.

Ganz im Osten fuhren wir durch das Siedlungsgebiet der Kurden. Hier waren sehr viele militärische Sicherheitskontrollen und wir waren schon etwas genervt von den ständigen Passkontrollen und Fahrzeugkontrollen… da wurden wir ganz überraschend an einem Checkpoint zum Tee und türkischen Honig eingeladen.

Danach fuhren wir gleich etwas entspannter weiter.

An einer Ampelkreuzung reichte uns ein netter Türke mit den Worten: „Welcome“ ein frisches leckeres Brot von Autofenster zu Autofenster.

Die Fähre nach Zypern verkehrt nur aller drei Tage, somit bleibt uns Zeit, noch an der Küste einen schönen Stellplatz zu suchen. Wir finden einen Platz an der Steilküste mit Blick über das Meer. Am Nachmittag kam plötzlich ein alter Citrön mit französischen Kennzeichen und hielt direkt vor unserem Bus. Der Fahrer kam fröhlich auf uns zu und freute sich sehr, Overlander zu treffen. Es war Christian aus Kanada, der sich in Frankreich einen alten Citrön gekauft hat und nun auch auf den Weg nach Südostasien ist. Er möchte ebenfalls über Georgien und Armenien in den Iran fahren und hatte jede Menge Fragen. So verbrachten wir einen sehr schönen und vergnüglichen Abend im Austausch über die alltäglichen Dinge des Reisens wie Autoversicherungen, Grenzgänge, Auffüllen der Gasflasche und vieles mehr.

Nun geht es aber endlich mit der Fähre nach Zypern… mittlerweile ist es nun schon Ende November.

Die Insel Zypern ist die drittgrößte Mittelmeerinsel im östlichen Mittelmeer und gehört geographisch zu Asien, wird politisch und kulturell jedoch zu Europa gezählt. Die Insel ist nur 220 km lang und ca. 90 km breit, man könnte also ganz gelassen an einem Tag die Insel umrunden.

Leider ist jedoch die Insel durch eine Grenze geteilt. Der Nordteil gehört zur Türkei, der Süden zur Republik Zypern. Die Grenze wird seit der Teilung und Unabhängigkeit Zyperns im Jahr 1974 von UNO-Truppen überwacht. Zypern war bis 1960 eine britische Kolonie und einige Teilgebiete gehören nach wie vor zu Großbritannien. Geblieben ist unter anderem auch der Linksverkehr auf der gesamten Insel.

Um nicht mehrmals die innerzyprische Grenze überschreiten zu müssen, verbringen wir die ersten Wochen im europäischen Teil, sozusagen auf griechischer Seite und die letzte Woche auf türkischer Seite, denn von dort müssen wir vor Weihnachten wieder in die Türkei verschiffen.

Unser erstes Ziel ist die Küste, es ist herrlich warm und das Mittelmeer lädt noch zum täglichen Baden ein.

Überall wachsen Palmen und es blühen immer noch die Rosen und viele andere mediterrane Pflanzen, die wir zu Hause als Kübelpflanzen mühe- und liebevoll im Sommer auf der Terrasse zum Blühen bringen.

Am Straßenrand ernten wir Mandarinen, Orangen und Granatäpfel und knacken Mandeln und Nüsse.

Dann wird mal wieder Geburtstag gefeiert… ganz relaxt direkt am Meer.

Larnaka

Aber auch die kulturelle Seite kommt nicht zu kurz.

In Larnaka besichtigen wir die prachtvoll ausgestattete Lazarus-Kirche, die zu beginn des 10. Jahrhunderts erbaut wurde. Unter der Kirche befindet sich in einer Gruft die Grabkammer des Hl. Lazarus.

Der Salzsee von Larnaka bietet tausenden von Flamingos von November bis März eine Überwinterungsmöglichkeit, im Frühjahr kehren sie dann wieder nach Europa zurück.

Direkt am See steht die Hala-Sultan-Tekke Moschee, sie wurde 1760 erbaut. Diese Moschee ist eine der wichtigsten islamischen Heiligtümer, denn hier befindet sich das Grab der Tante des Propheten Mohammed.

Nationalpark Cape-Greco

Der Naturschutzpark am östlichsten Teil der Republik Zypern hat eine atemberaubende Kalkstein-Steilküste mit vielen Höhlen und einem schönen Strand. Wir wandern den Cape Greco Nature Trail entlang und entdecken die ersten Frühjahrsblüher. Auch andere Frühjahrsblüher stehen schon in den Startlöchern…

 

Auf unserer Wanderung bewundern wir die Kamara-tou Koraka Brücke, einer der schönsten Natursteinbrücken auf Zypern. Betreten darf man diese Steinbrücke nicht mehr, die Erosion der letzten Jahre hat mächtig an ihr genagt.

Am späten Nachmittag sehen wir über dem Meer einen Tornado und sind fasziniert von diesem Naturschauspiel. Beim Angesicht dieser Naturgewalt sind wir auch ganz froh, dass sich der Tornado, im wahrsten Sinne des Wortes, über dem Meer verdünnisiert.

Mit unserem kleinen wendigen Bus finden wir auf den recht holprigen Wegen im Nationalpark sehr schöne Übernachtungsplätze wieder direkt am Meer.

 

Auf der Insel ist schon lange keine Saison mehr, ganze Stadtteile mit Hotelanlagen, Restaurants und Souvenir-Lädchen sind wie ausgestorben. Das Leben auf der Insel strahlt nun sehr viel Ruhe und Gelassenheit aus. Die Insulaner sind sehr ausgeglichen, nett und freundlich und plaudern gern mit uns.

Auch wir reisen nun viel entspannter und finden mehr Zeit für uns selbst. Wir lassen die Seele baumeln, gehen stundenlang an der Küste wandern, suchen Holz und kochen am Feuer, streicheln und füttern die zahlreichen und sehr hübschen Katzen, fotografieren und freuen uns am OverlanderLeben.

 

Petra tou Romiou – Der Aphrodite Felsen

Hier soll nun angeblich Aphrodite aus einer Muschel gestiegen sein. Ein sehr schöner Ort aber ob das dreimalige umschwimmen des sagenumwobenen Felsens wirklich vielerlei Segen bringt? Heute waren wir fast allein an diesem Ort, doch im Sommer muss es hier sehr viel Andrang geben. Wir haben es mit dem umschwimmen gelassen 😉

Kourion

Wir besuchen eine Ausgrabungsstätte des antiken Kourion, welches im 13. Jhd.v.Ch. gegründet wurde und besichtigen das Haus des Achilles und die Villa des Eustolios mit zahlreichen vielfarbigen Fußbodenmosaiken.

Leider waren wegen der Winterpause einige große Mosaike mit Sand abgedeckt.

Besonders beeindruckend war das immer noch genutzte Theater mit Sicht aufs Meer mit einer hervorragenden Akustik.

Nur 2 km von Kourion entfernt liegt das Hylatesheiligtum, der Tempel des Apollo. Bei Sonnenuntergang besichtigen wir die Überreste des Heiligtums.

Paphos

In Paphos kann man mehrere sogenannte Königsgräber aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. besichtigen. In den Grabanlagen, die in den Felsen geschlagen wurden, wurden Angehörige der zypriotischen Oberschicht beigesetzt.

Im Archäologischen Park von Paphos bestaunen wir Ausgrabungen von Villen aus römischer Zeit (2./3.v.CH.) mit wunderschönen Bodenmosaiken.

Nach so viel Kultur zieht es uns wieder in die Natur!

Akamas

Akamas ist nun der westlichste Zipfel Zyperns, eine schöne unter Naturschutz stehende Halbinsel. Hier gibt es viele einsame Buchten, Schluchten und Täler und wir wandern einen ganzen Tag, ohne nur eine Menschenseele zu treffen.

Wir finden schöne Stellplätze und am Abend grillen wir Fisch und Gemüse. Eine schöne Auszeit…

Da es hier keine befestigten Straßen gibt und das Gebiet eigentlich nur mit einem Allrad zu befahren ist, beschließen wir nach drei schönen sonnigen Tagen nun schnell vor einem sich ankündigenden Gewitter auf festen Boden zu flüchten.

Nach 10 km immer schön bergauf blinkt die rote Lampe vom Motor. Ein Blick unter die Motorklappe zeigt die Bescherung… eine Ratte hat in der Nacht einen Schlauch und die Leitung des Scheibenwischer angenagt, natürlich auch den vom Kühlwasser:( , welches sich nun im ganzen Motorraum verteilt hat…

Es beginnt nun bereits zu Regen und wir müssen schnell Handeln, denn die Wege weichen hier schnell auf. Zum Glück haben wir selbstschweißendes Reparaturband und flicken eilig das Nötigste. Wir schaffen es gerade noch bis zum ersten Picknickplatz an einer befestigten Straße und sind heilfroh. Mal wieder ein kleines Abenteuer 🙂

Am nächsten Tag muss Christian mehrere angenagte Schläuche mit dem Gummiband abdichten teilweise ganz austauschen.

Troodos-Gebirge

Der einzige bewaldete Teil der Insel ist das Troodosgebirge mit dem Paphos Forest. Hier wachsen Steineichen, Pinien, Platanen und Zedern. Der höchste Berg im Gebirge ist der Olympos mit 1.952 m. Das Gebiet ist mit vielen Wanderwegen, Pichknick- und Campingplätzen sehr gut erschlossen und jetzt in der Winterzeit gehört der Wald uns und den jagdfreudigen Zyprioten. Manchmal haben wir den Eindruck, dass an jeder Lichtung Rebhühner gejagt werden.

Jetzt im Dezember ist es hier oben bei 10 Grad auch sehr frisch, doch da heute der 1. Advent ist, ist uns das ganz recht.

Christian darf das erste Päckchen von der Adventskette öffnen und ist schon ganz aufgeregt.

 

Wir wünschen auch all unseren Freunden und Lesern eine schöne besinnliche Adventszeit, bei leckeren Plätzchen, Lebkuchen und Glühwein.

Am südlichen Teil des Gebirges liegen größere und kleinere Dörfer. Prodromos auf 1.380 m ist das höchstgelegene Dorf auf der Insel.

In den Bergdörfern stehen zahlreiche großartige, mit byzantinischen Fresken ausgemalte Kirchen, sogenannte Scheunendachkirchen.

Von außen sehen die Kirchen mit einem tief heruntergezogenen Dach und in ihrer rustikalen Bauweise wie Scheunen aus.

Viele gehören mit ihren wundervollen und gut erhaltenen Fresken zum Weltkulturerbe und wir sind ganz begeistert, so eine Pracht hier zu Entdecken.

In welchem Land und in welcher Kirche wir Weihnachten feiern, wissen wir noch nicht. Nun fahren wir erst einmal in den türkischen Teil der Insel und sind gespannt, was es dort zu entdecken gibt.

Zypern Nordteil

Zypern ist ein landschaftlich bezauberndes Land, mit einer atemberaubenden Küste, die sich innerhalb von wenigen Kilometern wandeln kann, von endlosen Sandstränden zu Steilküsten aus Kalkgestein oder wunderschönen Kreidefelsen.

Im Landesinneren steigen die Gebirgsketten bis über 1.400 m empor.

 

Die Bewohner der Insel sind sehr freundlich und Reisenden gegenüber sehr aufgeschlossen.

Um so mehr schmerzt uns die Fahrt über die Grenze, die seit 1974 die Zyprioten und die Insel teilt. Bei der Recherche über die Hintergründe der Teilung wird uns bewusst, dass die geografische Lage der Insel und somit die Machtinteressen von Griechenland, der Türkei, von Großbritannien und sicherlich auch in den Zeiten des Kalten Krieges der damaligen Supermächte Sowjetunion sowie den USA, die Zyprioten und das Land zerrissen haben. Zypern ist das Tor zwischen Europa und dem Nahen Osten. Diese Region kommt seit Jahrhunderten nicht zur Ruhe.

Bevor wir an die innerstädtische Grenze fahren, besichtigen wir den südlichen Stadtteil der geteilten Hauptstadt Nikosia. Eine quicklebendige bunte Innenstadt mit vielen Szenelokalitäten verleiht der Stadt mediterranen Flair. Die Häuser sind aus warmen, bräunlichen Kalkstein bebaut, nicht sehr hoch und dazwischen wachsen Platanen, Weinstöcke, Feigenbäume – viel grün.

Es macht Spaß durch die Stadt zu bummeln und die vielen vorwiegend jungen Touristen aus Südostasien zu beobachten, die hier im europäischen Teil wohl Weihnachtseinkäufe tätigen. Und dann immer wieder unvermittelt abgeschnittene Straßen und Gassen. Die harte Grenze spaltet Nikosia, der von UNO-Truppen überwachte Sicherheitskorridor, eine zerrissene Stadt, ein geteiltes Land.

Es gehen die Bilder von unserem Land und natürlich Berlin durch den Kopf, unsere Geschichte von Teilung und das wunderbare Gefühl von Uneingeschränktheit und ungehindert reisen zu können. Freiheit erleben und Grenzen überfahren können – ein herrliches Gefühl.

An der Grenzübergangsstelle staut sich der Verkehr wegen der Pass –und KFZ-Versicherungskontrolle, es ist Wochenende und dann es schnell, wir sind im nördlichen Teil Zyperns – im türkischen Teil. Als erstes müssen wir Geld tauschen und eine neue SIM-Karte besorgen. Auf dieser Seite heißt die geteilte Hauptstadt Lefkosia. Die Stadt hat auf den ersten Blick ihr Gesicht verändert, wir müssen uns erst einmal „einnorden“. Wir sind begeistert von der hübschen Altstadt und den schönen und gut sanierten Häusern im venezianischen Baustil. Kleine Gassen, Touristenmeilen mit Ambiente, Moscheen und die älteste Karawanserei auf Zypern, verzaubern bei herrlichem Sonnenschein.

   

Wir fahren weiter nach Girne, entlang an einer in großen Teilen unverbauten Steilküste. Immer wieder finden wir wunderbare einsame Küstenabschnitte und tolle Stellplätze am Meer. An den Sandstränden auf Zypern legen in der Zeit von Mai bis Oktober die Meeresschildkröten ihre Eier ab. Bei unseren Strandwanderungen finden wir immer mal wieder leere Eierschalen aus der vergangenen Brutsaison. Unvorstellbar, dass alles in einer kleinen Eierschale an einem Sandstrand beginnt und für die Schildkröten ein Jahrzehnte langes Leben im Meer.

Neben diesen wunderbaren Naturerlebnissen erschüttert uns die schwer mit Worten zu beschreibende Verschmutzung des gesamten Mittelmeeres. Die Küsten der Anrainer sind mit allem, wirklich allem Müll der Welt von Zahnbürsten bis Waschmaschinen verschmutzt. Plastik über Plastik, in allen Formen und Größen. Alles was aus Kunststoffen ist, findet sich im Meer und an den Stränden wieder.

Aus Trinkflaschen, Tüten, Autoteilen und was nicht alles, werden bunte Kleinteilchen. Durch die unermüdlichen Meereswellen wird die Plastik zu immer kleineren Teilchen zermahlen. Es ist erschütternd, den Kreislauf des sich immer feiner aufspaltenden Plastikmüll zu sehen.

Dieser Prozess verändert unaufhaltsam unsere Umwelt. Es ist eine globale Aufgabe neben der Schaffung und Erhaltung des Friedens, die Vermüllung der Welt(meere) zu stoppen.

In den folgenden Tagen streifen wir im gemütlichen Tempo die Küste im nördlichen Teil ab, sehen Steilküsten, wandern an Sandstränden und erklimmen die küstennahen Berge. Wir besuchen das St. Apostolos Andreas Kloster am äußersten nördlichen Zipfel der Insel in Karpaz Anayolu. Das Kloster ist eines der wenigen erhaltenen gebliebenen christlichen Klöster im nunmehr türkischen und dadurch moslemisch geprägten Landesteil.

   

In der Folge der politischen Veränderungen seit 1974 wurden an die 500 christlich-orthodoxen Kirchen aufgegeben, stehen leer oder werden als Scheunen genutzt.

In einigen Städten wurden aus den Kirchen Ikonenmuseen oder wie in Lefkosi und Famagusta, werden die Kirchen nun als Moscheen genutzt.

Am Abend fahren wir zurück nach Girne, um in der Nacht mit der Fähre in die Türkei überzusetzen. Wir haben sehr schöne Tage auf Zypern erlebt, die uns einen Abschied nicht leicht machen. Jedoch, ehrlicherweise, uns hat der Inselkoller erwischt – wir wollen wieder weiterreisen und sind sehr gespannt auf die kommenden Wochen. Unsere Reise wird entlang der türkischen Mittelmeerküste nach Griechenland führen.

Wir warten auf Abenteuer.