Anfang September 2018

Die Einreise in Laos und somit nach Südostasien verlief völlig komplikationslos und schnell. Direkt am Grenzübergang in Boten beantragen wir ein Visa für 30 Tage, dass wir nach 15 min ausgehändigt bekommen und schon sind wir in Laos. Der Bus wird nicht kontrolliert, wir müssen auch nicht durch den Zoll.

Eine Straße ist hinter der Grenze nicht zu sehen, wir folgen einfach einem Laster und wühlen uns durch rotbraunen Schlamm und tiefe Schlaglöcher. Offensichtlich soll hier eine Straße gebaut werden und wir hatten noch die Hoffnung, dass nach einigen Kilometern alles besser wird …

Nach einigen Kilometern ist so etwas wie eine Straße zu erfühlen, die ist aber übersät mit Schlaglöchern. Wir hoffen und wünschen uns nun mal wieder sehr, dass wir ohne Schaden am Bus durch Laos kommen.

Louang Namtha

Wir sind nun ganz im Norden in Laos und fahren zu der ganz kleinen Stadt Louang Namtha. Wir kommen nur langsam voran, die Straßen sind schlecht. In den letzten Tagen hat es im Norden stark geregnet und die Berghänge an den Straßen sind abgerutscht. Manchmal müssen wir warten, bis die Straße geräumt ist aber immer geht es weiter, das ist gut zu wissen.

Wir fahren durch eine wunderschöne Dschungelberglandschaft. Der Wald ist absolut dicht bewachsen, ohne Machete kommt man hier nicht rein. Einige Bäume blühen lila, gelb, weiß oder orange. Wir sehen verschiedene Palmenarten und Bananenstauden und viele große Schmetterlinge tummeln sich an den Blüten. Es ist schwülwarm und bei einer Luftfeuchtigkeit von 85% kleben die Sachen am Körper. Doch daran werden wir uns für die nächsten Monate gewöhnen müssen.

Wir fahren durch viele kleine Bergdörfer und gehen eine kleine Strecke wandern. Kinder folgen uns neugierig, manche laufen auch ganz verängstigt davon. Einige Kinder planschen im rotbraunen Flusswasser. Die Menschen leben hier in Holz- und Bambushütten ohne Wasser, manche auch ohne Stromanschluss. Gegessen und gekocht wird vor der Hütte über dem Holzfeuer. Die Kleidung und das Geschirr werden im Fluss gewaschen, am Abend waschen und baden sich alle im Fluss. Geschlafen wird auf Matten auf dem Boden. Im Dorf laufen Ziegen, Schweine und viele Hühner querfeldein. Die Wäsche wird zum Trocknen über Bambusstöcke oder aufs Dach gelegt. Befestigte Wege oder Straßen gibt es nicht. Obwohl wir wussten, dass der Norden der ärmste Teil des Landes ist, sind wir doch sehr schockiert über diese sehr, sehr einfachen Lebensverhältnisse.

   

In der kleinen Stadt Louang Namtha gibt es auch schöne Holz- und Steinhäuser. Für Touristen werden hier auch Kajak- und Trekkingtouren angeboten. Doch es ist noch keine Saison und wir sehen keine anderen Touristen. Wir kaufen eine SIM-Karte und auf dem Nachtmarkt etwas Reis, Obst und Gurken und bleiben über Nacht hier.

Am nächsten Morgen fahren wir in den nahegelegenen Nam Ha Nationalpark, in der Hoffnung, dort wandern zu können. Das Informationsgebäude ist geschlossen, wir fahren durch den dichten Regenwald können aber weder Wanderwege noch Informationstafeln finden und fahren etwas enttäuscht zurück.

Nun fahren wir Richtung Luang Prabang, dort wollen wir uns Morgen mit Lukas, unserem jüngsten Weltenbummlersohn treffen. Er hat sein Work- and Travel Jahr in Neuseeland beendet und macht nun Urlaub in Asien.

Obwohl es bis Luang Prabang nur 300 km sind, fahren wir einen ganzen Tag ca. 10 Stunden.

Hoch oben in den Bergen, auf einer Passstraße reißt auch noch der Keilriemen. Wahrscheinlich wurde er bei der Reparatur in China zu straff gespannt. Zum Glück haben wir noch einen Ersatzriemen und Christian kann die Reparatur selbst vornehmen. Dabei entdecken wir leider, dass die Antriebsmanschette total zerstört ist und einen Werkstattbesuch in Laos erforderlich macht.

Aber erst einmal fahren wir weiter. Doch 10 km vor der Stadt, in der Lukas für uns alle schon ein Hostel gebucht hatte, werden wir von der Polizei gestoppt und warten geduldig in einer sehr langen Autoschlange. Wir vermuteten, dass mal wieder ein Berghang abgerutscht ist, doch diesmal ist es eine Brücke. Sie konnte den Wassermassen nicht standhalten und ist einen Meter tief abgerutscht und für Autos nicht mehr befahrbar. Nur Fußgänger und Motorroller dürfen noch über die Brücke. Jedoch wird schon an einer Zufahrt für eine Fähre gearbeitet und wir haben die Hoffnung, noch am Abend über den Fluss zu kommen. Als es schon dunkel wird kann die erste Fähre eine Probefahrt machen. Für einige Autos wird es schwierig die steile Auffahrt am Fluss bis auf die Straße zu bewältigen, doch alle helfen mit beim Manövrieren. Doch es wird für die Fähren zu dunkel (es gibt kein Licht an Bord) und sie stellen ihre Fahrten ein. Nun übernachten wir mit 100en Laoten am Straßenrand im Auto. Die Polizei zieht ab in ihr Nachtlager und viele Laoten nutzen die Gelegenheit, sich mit ihren Autos ganz nach vorn an den Fluss zu drängeln. Plötzlich stehen auf der eh schon schmalen Straße gleich drei Autoschlangen nebeneinander. Am nächsten Morgen ergibt das natürlich ein heilloses Durcheinander, denn der Gegenverkehr kann nicht passieren. Soldaten rücken an, um einigermaßen Ordnung zu schaffen. Gegen Mittag können wir nun endlich auf die Fähre fahren und haben es über den Fluss geschafft 🙂

    

Wiedersehensfreude

Auch Lukas hat es am vergangenen Tag nicht bis Luang Prabang geschafft. Sein Bus hat für die Strecke nicht wie angegeben 10 Stunden, sondern 17 Stunden gebraucht. Er hat dann auf einer Parkbank am Fluss übernachten müssen.

Doch nun, nach einem ganzen langen Jahr fallen wir uns voller Freude in die Arme und feiern das Wiedersehen in Laos. Wer hätte das gedacht.

  

Luang Prabang

Luang Prabang ist die Touristenhochburg von Laos und liegt auch im Norden des Landes. Sie ist die alte Hauptstadt des ehemaligen Königsreichs. Bis 1975 war sie die Königsstadt von Laos. Luang Prabang gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und liegt am Mekong auf 300 m Höhe. Durch die französische Kolonialzeit findet man viele sehr schöne Häuser im französischem Baustil. Auch zahlreiche Tempel und der ehemalige Königspalast prägen das Stadtbild. Die Stadt ist wirklich wunderschön und nicht zu vergleichen mit anderen Städten oder gar Dörfern in Laos. Dementsprechend sieht man hier auch viele Touristen. In der näheren Umgebung gibt es viele Kalksteinhöhlen und Wasserfälle und wir freuen uns auf die kommenden Tage.

Am Nachmittag gehen wir noch zum Drachenbootrennen, das ausgerechnet heute hier stattfindet. Ein willkommener Einstieg …

     

Bevor wir zu unseren Unternehmungen starten, muss erst einmal der Bus in die Werkstatt um die Manschette wechseln zu lassen. Wir haben noch eine Manschette dabei, die Reparatur müsste schnell gemacht sein.

Doch alles kommt wieder mal ganz anders …

Wir fahren mit dem Bus zu einer Werkstatt die sehr sauber, ordentlich und aufgeräumt wirkt. Leider kommt es aber ganz anders, die Mechaniker haben von den grundlegenden Dingen keine Ahnung und gehen mit einem abgebrochenen Schraubenzieher, Druckluftschrauber und Eisenstangen an die Arbeit. Nach Anweisung von Christian wird die linke Antriebswelle ausgebaut.  Die einzige Manschette (unsere letzte Ersatzmanschette) wird beim Wiedereinbau durch Unachtsamkeit und Unkenntnis der Mechaniker zerstört. Wir haben 2 Tage zu tun um das Fahrzeug wieder fahrbar zu machen und sind erleichtert, dass nicht noch mehr Schaden entstanden ist. Der Schock sitzt tief, wir sind total enttäuscht und hoffen, dass alles bis zum Treffen mit Alex und Laura hält. Die Beiden bringen uns wichtige Ersatzteile mit nach Thailand.

  

Die Chaotenwerkstatt in Luang Prabang …

Am nächsten Tag besuchen wir den Kuang Si Wasserfall. Ein absolut beeindruckender Wasserfall! Die Wassermassen stürzen aus 70m Höhe über mehrere Terrassen in die Tiefe. Bei der Wanderung werden wir von einem heftigen Gewitter überrascht und werden klitschnass…

Auch den Tad Se Wasserfall schauen wir uns an. Er ist nicht ganz so gewaltig aber liegt mitten im Dschungel und man gelangt nur mit dem Boot dahin.

 

Unser nächstes Ziel ist Vang Vieng. Auf dem Weg dahin übernachten wir auf einem Pass in 1400m Höhe. Lukas übernachtet in der Hängematte und friert erheblich, denn hier oben wird es doch tatsächlich mal kalt in der Nacht.

Auf der weiteren Fahrt entdecken wir eine kleine Elefantenherde. Ein Elefant wird gerade zum Baden in den Fluss gebracht und dort gewaschen. Elefanten wurden noch bis vor wenigen Jahren als Arbeitstiere eingesetzt. Mit dem Verbot der Abholzung des Regenwaldes werden sie nicht mehr als Arbeitselefanten benötigt, können aber auch nicht mehr auf Grund der Domestizierung ausgewildert werden.

 

 

Später sehen wir einen Radreisenden und halten spontan an. Jörg aus Süddeutschland ist mit seinem Rad seit einigen Monaten unterwegs und wir haben uns viel zu erzählen, tauschen zahlreiche Erfahrungen und Eindrücke über eine Stunde am Straßenrand aus und freuen uns über die nette Bekanntschaft.

Vang Vieng

Vang Vieng ist eine kleine Stadt nördlich von Vientiane. Außer einigen kleinen Tempelanlagen hat die Stadt nichts weiter zu bieten (außer vieler Bars und Kneipen). In der Umgebung gibt es auch hier mitten im Dschungel viele Höhlen, kleine Lagunen und herrliche Karstfelsen, die zum Wandern und Klettern einladen. Vor allem viele Koreaner machen hier Urlaub, auf sie ist das Tourenangebot von Rafting und Kajaking zugeschnitten.

Wir leihen uns Räder aus und fahren zu einer Höhle. Wir klettern einige Meter einen Karstfelsen hinauf und mit Stirnlampen ausgestattet erkunden wir vier zusammenhängende große Höhlen. Ein kleines Abenteuer, denn natürlich ist hier nichts beleuchtet und von Sicherheitsmaßnahmen wollen wir gar nicht erst reden 🙂

   

Bei unserer Radtour entdecken wir viele blühende Pflanzen, Reis- und Ananasfelder und erfreuen uns trotz sengender Hitze an der schönen Natur.

  

Auf unserem Weg zur Hauptstadt Vientiane machen wir noch einen Zwischenstopp am Stausee Nam Ngum. Hier finden wir einen Platz am Dorfhafen und beobachten das sonntägliche Treiben der Dorfbewohner. Einige Jugendliche trainieren für das nächste Drachenbootrennen, die Kinder baden im See, Männer bringen mit ihren Booten Holz von den Inseln und stapeln es auf und einige mutige Kinder suchen Kontakt zu uns. Am Ende liegen sie in unserer Hängematte und wir haben viel Spaß miteinander.

   

Am Abend finden wir einen Fischer der uns zum Sonnenuntergang mit seinem Boot eine Stunde über den See mit seinen vielen kleinen Dschungelinseln fährt, ein wunderschönes Erlebnis.

Vientiane

Vientiane ist seit 1975 die Hauptstadt des Landes. Hier leben ca. 500000 Menschen. Die Stadt liegt direkt am Mekong und ist durch die Kolonialzeit auch stark geprägt vom französischen Baustil. Viele Tempel und Stupas kann man besichtigen, es gibt auch einen großen Nachtmarkt und ein Nationalmuseum. Hier entdecken wir zufällig einen kleinen feinen französischen Bäcker und kaufen leckere knusprige Baguetts. Seit China gibt es kein Weißbrot mehr und uns Europäern fällt die Ernährungsumstellung auf nur noch Nudeln und Reis in allen Varianten, morgens, mittags und abends etwas schwer.

  

Von Vientiane reisen wir nun nach Thailand um uns mit Laura und Alexander zu treffen, die ihren Jahresurlaub nutzen, um uns auf unserer langen Reise zu besuchen (und mit Ersatzteilen für das Auto versorgen :).