Nun geht es auf in ein neues Abenteuer, China – das Reich der Mitte, erwartet uns.

Am Grenzübergang werden wir von den Grenzbeamten sehr freundlich und zügig abgefertigt. Unser Guide, der schon auf uns gewartet hat, erledigt die ersten:) Formalitäten. Das Auto muss wegen Zollformalitäten auf dem Grenzgelände über Nacht stehen bleiben und wir fahren mit dem Taxi zum Hotel. Das Hotel ist ziemlich einfach und alles andere als sauber.

Unser Guide heißt Sophia und ist 25 Jahre alt. Sie arbeitet eigentlich als Reiseführerin in Chengdu und übernimmt die Tourbegleitung, denn leider darf man mit dem eigenen Fahrzeug nicht allein durch China reisen. Da die Durchreise noch dazu sehr preisintensiv ist, wählen wir die kürzeste Route von Nord nach Süd – um die Reisekasse zu schonen.

In einem chinesischen Restaurant sprechen wir mit Sophia noch mal die Tour ab.

Danach sammeln wir in der kleinen Grenzstadt erste Chinaeindrücke. Besonders fallen uns die breiten Straßen und stets von Hand gekehrten Fußwege auf. Die Fahrräder in China sind mittlerweile von kleinen Mopeds, die zwei- oder dreirädrig sind, abgelöst. Alle Fahrzeuge fahren mit Elektroantrieb, kaum noch mit Verbrennungsmotoren. Es sind erstaunlich viele E-Fahrzeuge unterwegs.

Am nächsten Tag kommt endlich am Nachmittag der ersehnte Anruf von der Grenze, wir dürfen das Auto nun abholen. Damit aber alles seine Richtigkeit hat, bekommen wir bei einer anderen Behörde (am entgegen gesetzten Ende der Stadt) einen chinesischen Führerschein und ein temporäres Nummernschild.

Dann geht es endlich los. Wir rollen über glatten Asphalt auf dem sogenannten Express-Highway, es sind nur wenige Autos unterwegs. Die Landschaft ähnelt sehr der Steppenlandschaft in der Mongolei, nur eben die endlosen Weidezäune links und rechts der Autobahn haben wir in der gesamten Mongolei nicht gesehen. Das Gebiet wird in China als „Innere Mongolei“ bezeichnet. Am späten Abend erreichen wir eine chinesische „Kleinstadt“ Ulanqab, diese hat nur 3 Millionen Einwohner. Hier mieten wir uns mit unserem Guide Sophia im Hotel ein, die lange Fahrt und die ungewohnten Bedingungen haben uns sehr erschöpft. An diesem Abend gehen wir in einer echten chinesischen Küche essen und es schmeckt sehr gut, alles frisch zubereitet und lecker. Das Essen mit Stäbchen müssen wir noch üben 😉 Nur das Auge darf nicht mitessen, wenn man die Lokalität als solches sieht.

Yungang-Grotten

Am nächsten Morgen starten wir bei Regen und wollen uns die Yungang-Grotten ansehen. Diese Grotten gehören seit 2001 zum Weltkulturerbe und beeindrucken sehr in der Größe und der hohen Kunstfertigkeit. In 42 Grotten und 210 Nischen sind ca. 51.000 Buddhastatuen aus der Zeit 460 bis 525 n. Chr. zu besichtigen. Die Darstellungen von Buddha beschreiben seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die größte Grotte ist ca. 25 m hoch und die Buddhastatuen in der Anlage sind bis zu 14 m hoch. Alles wurde aus dem Sandstein herausgearbeitet und teilweise bemalt und mit Gold verziert. Vergleichbare Kulturschätze haben  in Afghanistan die Taliban der Menschheit geraubt, sie wurden durch Sprengung unwiederbringlich zerstört.

   

Pingyao

Auf unserer Weiterreise über den Express-Highway ändert sich die Landschaft, es wird bergig und grün. Immer häufiger tauchen hinter den Bergen riesengroße Kohlekraftwerke auf, die bedauerlicherweise auch die Luft sehr stark belasten. In den Städten steht am Nachmittag der Smog und lässt die Sonne nur wenig durchscheinen. Am Abend erreichen wir die alte Stadt Pingyao in der Provinz Shanxi. Die kleine Altstadt ist mit einer der ältesten Stadtmauern aus der Mingdynastie umgeben und durch besondere Umstände ist die gesamte Innenstadt in ihrer Einmaligkeit erhalten geblieben und nicht durch Modernisierung und Kulturrevolution zerstört worden. Diese Stadt gehört seit vielen Jahrzehnten zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir finden unmittelbar vor einem der vier Stadttore einen Stellplatz und gehen am Morgen durch die phantastische Stadt. Die vielen Häuser mit den typischen chinesischen Dachformen, die besonderen Haustüren aus Holz und die roten Laternen bilden ein besonderes Flair. Der Stadtkern ist immer noch bewohnt und gerade am Morgen sehen wir die Bewohner mit Fahrrädern und Rikschas durch die engen Gassen flitzen.

 

Wir fahren am frühen Vormittag weiter in Richtung Xian. Unerfreulicher Weise reist auch in China wieder die Defekthexe mit, bei Regen reißt auf dem Highway der Keilriemen der Lichtmaschine und beschädigt dabei  den Keilriemen der Servopumpe. Für die Lichtmaschine hatte Christian einen Ersatzkeilriemen mit dabei, aber keinen für die Servopumpe. Es stellt sich heraus, dass dieser eine untypische Größe hat und nicht beschafft werden kann. Der herbeigerufene Mechaniker baut einen gebrauchten Keilriemen in der passenden Größe ein und die Reise kann nach 3 Stunden weitergehen. Sophia ist uns eine große Hilfe, sie regelt alles per Mobilphone.

Am folgenden Tag starten wir bereits sehr zeitig in Richtung Chengdu. Leider zeigt sich am Vormittag, dass die Autobahnreparatur vom Vortag sehr mangelhaft war und der gebrauchte Keilriemen für die Servopumpe sich verdreht hat und eine Weiterfahrt unmöglich ist. Wir stehen zum Glück auf einer Raststätte mit einer Werkstatt und Sophia erklärt einem Mechaniker das Problem. Nach längerer Suche findet sich ein Keilriemen, leider aber 1 cm zu kurz 🙁

Die Werkstatt bemüht sich um eine Ersatzteilbeschaffung, am Nachmittag trifft der Ersatzkeilriemen ein – dieser ist 1 cm zu lang, jedoch schafft es der gewissenhaft arbeitende Mechaniker den Keilriemen einzubauen. Alles in allem ist uns ein ganzer Reisetag verloren gegangen. Die Reparaturen waren preislich kein Schnäppchen – Irrtum, wer da an ein Niedrigpreisland China denkt!

Nach 5 Stunden können wir endlich weiterfahren. Unser Ziel, die Stadt Chengdu können wir an diesem Tag nicht mehr erreichen. Deshalb fahren wir am späten Nachmittag vom Highway auf eine Landstraße Richtung Hanzhong ab und können die Landschaft genießen. Wir sehen viele Reisfelder, oftmals an steilen Berghängen angebaut, Sesampflanzen und Lotusfelder. Die Landschaft ist nun üppig grün, erste Bananenstauden, riesiger Bambus und exotische Pflanzen sind zu sehen.

   

Chengdu

Durch den langen Werkstattaufenthalt legen wir heute einen Fahrtag ohne Besichtigungen ein. Der Bus rollt und macht uns keine Sorgen. Am frühen Nachmittag erreichen wir Chengdu, eine Mega-Stadt mit ca. 14 Millionen Einwohnern.

Sophia ist ebenfalls in besonderer Weise mit dieser Stadt verbunden, sie wohnt hier und ist froh an diesem Abend in ihrer Wohnung übernachten zu können. Wir finden in dieser riesigen Stadt an einem Fluss einen schönen Stellplatz, natürlich an der Straße, natürlich laut und leider regnet es in der Nacht sehr viel, so dass wir in dieser Nacht wegen der Schwüle und Nässe kaum schlafen.

Am nächsten Tag steht auf unserem Tourenplan die Besichtigung der Pandabären-Zuchtstation in Chengdu. Es regnet und es ist ein unbeschreiblicher Verkehrsstau auf allen Straßen – wir haben wenig Lust auf die Fahrt und Besichtung der Pandas. Sophia überredet uns zum Parkbesuch. Alles kein Problem, die Tiere sind nur am Morgen zu beobachten – und alles Indoor. Die Fahrt zum Panda-Park war für Christian eine Herausforderung, im teilweise starkem Regen im Mega-Verkehrstrom dahin schwimmen. Aber als wir im Park ankommen, hört langsam der Regen auf und es wird ein interessanter Vormittag. Wir fotografieren natürlich viel und sehen neben großen, dicken Pandas auch kleine Pandababys – einfach toll diese Tiere mal so nah zu erleben. Sophia kennt sich in ihrem Heimatrevier sehr gut aus und führt uns durch das große Gelände, immer an den Besuchermassen vorbei zu den wirklichen Attraktionen. Und sie kennt sich über Pandabären bestens aus, nicht umsonst sind wohl diese Tiere auch auf ihrer Visitenkarte abgebildet.

 

 

Wir haben mit unserer Reisebegleiterin Sophia eine sehr freundliche und verständnisvolle Reiseführerin bekommen. Sie geht auf unsere Wünsche zu Fahrten auf Nebenstraßen ein und wir sehen viel dörfliches- und kleinstädtisches Leben. Von anderen Chinareisenden haben wir Berichte von desinteressierten und unvorbereiteten Guides gelesen, die eigentlich nur die Verwalter der chinesischen Reisedokumente waren. Das ist bei uns nicht der Fall. Sie erzählt und erklärt uns viel Interessantes über ihr Heimatland. Leider sind in China alle gängigen Browser, Internetdienste wie Google, WhatsApp, Facebook durch Chinas große Firewall gesperrt. Deshalb haben wir bereits in der Mongolei vorgesorgt und auf unseren Mobilphone mehrere VPN-Router installiert. Anne kann wie gewohnt mit ihrem Mobilphone navigieren. Anne führt wie immer sehr sicher und findet selbst bei teilweise bis zu vierstöckigen Autobahnkreuzen den richtigen Weg. Das beeindruckt auch Sophia, die beiden sprechen von nun an jeden Morgen den Reiseroutenverlauf ab und sind ein sehr gutes Team. Wir haben einen sehr straffen Zeitplan auf unserer Fahrt durch dieses Riesenland, die Durchreiseerlaubnis (einschließlich des unabdingbaren Guide) ist sehr kostenintensiv und wir müssen tägliche Strecken von mindestens 600 km  absolvieren. Wir vermissen die Unabhängigkeit des Fahrens der Nase nach und müssen jeden Tag mit Sophia unter anderem die Übernachtungsmodalitäten abklären. Hotels gibt es nur in den Städten und diese haben Millionen Einwohner. Einfach in einem Dorf oder nur mal im Grünen übernachten geht bedauerlicherweise nicht. Aber trotzdem finden wir uns als Reiseteam und haben  viel Spaß, besonders dann, wenn Christian mit seinem Englisch-Wortschatz versucht einen Wasserbüffel zu beschreiben 😉

 

Die Menschen in China sind sehr freundlich und an uns interessiert. Natürlich fallen wir immer auf, besonders wenn wir mit dem Auto irgendwo anhalten. Sofort werden wir angesprochen und gefragt, aus welchem Land wir kommen. Nur wenige Chinesen sprechen Englisch. Aus diesem Grunde schreibt Sophia in chinesischer Schrift an den Dachgepäckträger: „Dieses Auto kommt aus Germany“. Wir haben viel Spaß dabei, denn dabei wird Sophia von vielen Chinesen mit dem Handy gefilmt.

Wir schaffen es wieder vom Highway abzubiegen und machen bei Sonnenschein eine Tour durch die Berge, vorbei an Reisterrassen, Bananenplantagen und dichten Wäldern. So haben wir uns das gewünscht und sind an diesem Abend sehr glücklich.

Weil unsere Tagesplanung perfekt war und wir uns gut abgestimmt haben schaffen wir es auch an unserem 9. Reisetag wiederum vom Highway abzufahren und sehen abermals mehr vom ländlichen Leben in China. Wir fotografieren viel und Anne findet immer wieder neue Pflanzen an der Strecke, es ist wieder ein ausgefüllter Reisetag. Die Fotos geben leider nur einen kleinen Einblick von unseren besonderen Erlebnissen. Wir reichen am frühen Abend die Grenzstadt Mohan und damit den letzte Station unserer China-Reise.

  

Der 10. und damit letzte Reisetag ist für die Ausreise verplant. Sophia wird uns zur Grenze nach Laos bringen und wieder die sehr umfänglichen Formalitäten erledigen. Bis dahin gehen wir am Morgen noch mal über einen chinesischen Bauernmarkt. Es wird vom Kochtopf bis zu lebenden Tieren, Hunden, Hühnern, Schildkröten, Fröschen und Fischen alles angeboten. Wir essen leckere Pasteten jedoch verzichten wir bei anderen lokalen Spezialitäten aufs probieren.

Dann kommt der erwartete Anruf von Sophia und müssen nun schnell zur Grenze. Die Ausreise geht trotz der vielen Formalitäten zügig und nach 2 Stunden reisen wir in unserem 16. Reiseland Laos ein. Und hier ist wieder alles ganz anders…