Eigentlich hätten wir nun auch von Usbekistan nach Kasachstan weiterreisen können, das wäre die kürzere Route in Richtung Mongolei gewesen. Doch nach drei Wüstenstaaten mit großer Hitze und vielen geschichtsträchtigen Städten und Sehenswürdigkeiten sehnten wir uns erst einmal nach grüner Natur und etwas erfrischenderen Temperaturen.

In Kirgisistan sind 94% der Landesfläche gebirgig. Der höchste Berg ist beachtliche 7.439 m hoch. Es gibt Hochebenen in 3.000 m Höhe und den zweitgrößten Hochgebirgssee der Welt, den Issyk Kul in 1.800 m Höhe. Das klingt doch nach Abkühlung!

Arslanbob

Unser erstes Ziel war das Dorf Arslanbob. Hier findet man in 1.600 m Höhe den größten Walnussbaumwald der Welt. Die Bäume sind teilweise über 200 Jahre alt. Die Anfahrt war etwas schwierig, holprig und steil, denn die befestigte Straße endete am Ortseingang. Doch die Mühe lohnte sich. Wir fanden einen schönen Platz in einem großen Wald voller alter erhabener Wallnussbäume. Gegen Abend kam noch eine lustige Männertruppe vorbei. Wie sich herausstellte, waren sie extra aus Usbekistan nach Krigisistan gekommen, um sich diesen Wald anzuschauen. Auch sie staunten über die majestätische Schönheit der Bäume und wollten dann auch unbedingt Selfies mit uns machen.

    

Im Herbst werden die Nüsse von den Dorfbewohnern und Erntehelfern aufgelesen und verkauft. Zu Sowjetzeiten mussten sie alle Nüsse an den Staat abgeben.

Lichtet sich der Wald etwas, hat mein einen herrlichen Blick auf das Panorama des 7.000 m hohen Tienschan-Gebirges.

Song Köl See

Der Song Köl See ist ein Hochgebirgssee auf einem weiten Plateau in 3.000 m Höhe. Der Weg dahin führte uns durch einen herrlichen Canyon hinauf zum Ala-Bel Pass in 3.175 m.

 

Dort übernachteten wir, bevor wir uns am nächsten Tag die letzten Höhenmeter auf einer Schotterstraße zum Hochplateau vornahmen.

 

Die Fahrt war für unseren Bus kein Vergnügen doch für uns ein Genuss. Vor unseren Augen öffnete sich eine bezaubernde Bergwelt.

 

Die Pflanzen und Blumenvielfalt aber auch die possierlichen Murmeltiere ließen uns immer wieder auf den Auslöser der Kamera drücken.

 

Auf den Hochplateau haben viele Nomaden für die Sommermonate ihre Jurten aufgebaut. Viehherden ziehen über die saftigen grünen Weiden.

Die ersten Kinder kommen herbeigelaufen. Autos sieht man hier oben eher selten, für die Kleinen eine willkommene Abwechslung. Die Familien leben hier oben völlig autark, ernähren sich vom Fleisch ihrer Tiere und den Milchprodukten.

Hier oben fallen die Temperaturen tagsüber zum ersten Mal seit 9Wochen  unter die 20 Grad Marke. Wir stehen mit dem Bus direkt am See, neugierig kommen Hirten vorbei und fragen, woher wir kommen.

Wir genießen die Weite, beobachten die Herden, lesen und entspannen. Am nächsten Morgen zeigt das Thermometer 2 Grad an, die Wiese glitzert in der aufgehenden Sonne und das Gras knirscht unter unseren Füßen. Bodenfrost im Juli, wer hat das schon.

Am Tag gibt es auch mal kleine Hagelschauer und Gewitter und wir entschließen uns, etwas weiter hinunter zu fahren.

Issyk Kul See

Der Issyk Kul ist der zweitgrößte Gebirgssee der Welt. Man könnte denken, es ist ein Meer, denn man kann das andere Ufer nicht sehen.

Um den See herum gibt es viel zu entdecken. Wir wandern stundenlang durch das Fairy Valley und können uns nicht satt sehen an den rotgelborangenen Farbenmeer der Felsformationen.

   

Wir wagen uns auch hinauf zum Barskoon Pass (3.700 m) im südlich vom See gelegenen Tienschan-Gebirge. Hier oben leben im streng geschützten Areal Schneeleoparden, Bären, Greifvögel und Steinböcke.

Zuerst geht es durch ein wunderschönes Flusstal, hier sieht es aus, wie im russischen Märchenwald.

Dann arbeitet sich der Bus im 20km/h Tempo viele Serpentinenwindungen hinauf, vorbei an Gletscherzungen und rauen Felswänden. Hier oben ist es empfindlich kalt, leider zieht eine dicke Wolkenwand auf und es nieselt. Wir können die Passspitze schon sehen und sind voller Erwartungen, was sich für Welten da oben vor unsere Augen öffnen. Doch unserem Bus wird die Anstrengung zu viel, er schnauft und kocht und will nicht weiter. So lassen wir es denn gut sein und wenden, schließlich haben wir noch eine weite Reise mit unserem alten Bus vor uns.

Am See wärmen wir uns in der Sonne wieder auf und der Bus kühlt weiter ab.

Der kleine Abstecher nach Kirgisistan hat sich mehr als gelohnt. Gern hätten wir hier viel mehr Zeit verbracht, doch wir mussten unseren Guide für China schon buchen, ohne dem wir nicht mit dem eigenen Auto durch China reisen dürfen. Und der erwartet uns Ende August an der Grenze von der Mongolei nach China. Den August wollen wir nun in der Mongolei verbringen. Bis dahin sind es aber noch 1.000 km durch die Steppe Kasachstans und 1.000 km durch das Altai-Gebirge in Sibirien, denn leider gibt es zwischen Kasachstan und der Mongolei keinen Grenzübergang.