Die Ausreise aus Turkmenistan verlief völlig problemlos. Die Beamten waren richtig freundlich und zuvorkommend. Auch die Einreise nach Usbekistan war absolut entspannt. Wir wurden von den Beamten an den langen wartenden Menschenschlangen vorbei geleitet, füllten mit Hilfe der Beamten Deklarationen aus und die Pässe wurden gestempelt. Der Bus wurde genau inspiziert und nach drei Stunden waren wir in Usbekistan. Herrlich, das hatten wir uns nach den Strapazen und psychischen Belastungen der letzten Tage wirklich verdient.

In Usbekistan fühlten wir uns nun endlich wieder frei und unkontrolliert und atmen erst einmal tief durch. Bei der ersten Pause machten wir auch gleich Bekanntschaft mit den kontaktfreudigen und höflichen Usbeken. Ein freundlicher Mann kam auf uns zu, fragte woher wir kommen und hieß uns herzlich willkommen in seinem Land. Wir nahmen einen älteren traditionell gekleideten Mann mit, der in die nächste Stadt zur Bank wollte und kramten in unseren Hinterköpfchen nach russischen Vokabeln.

Auch Usbekistan ist ein trockenes und heißes Land mit zwei sehr großen Wüsten. Die Hitze, vor allem im Auto ohne Klimaanlage, ist oft unerträglich.

Unsere nächsten Ziele sind Buchara und Samarkand, die wohl bekanntesten Städte an der Seitenstraße.

BUCHARA

In Buchara suchen wir als erstes ein kleines Hostel, um uns zu duschen und vor allem viel Wäsche zu waschen, was in Wüstenstaaten nun nicht mehr am Fluss möglich ist 🙂

Im Mihunur Hostel, ein kleines aber sehr feines Hostel, werden wir freundlich empfangen und gleich mit typischen usbekischen Speisen bewirtet. Wir essen Obst und Somsa, mit Fleisch gefüllte Mürbe- und Blätterteigtaschen. Sie schmecken köstlich. Die Hausherrin, ihr Mann, ihre beiden Töchter und die Enkel, alle sitzen wir beisammen und unterhalten uns teils in Englisch, mit hängengebliebenen Russischvokabeln, mit Translator, Händen und Füßen, fast zwei Stunden lang. Wir erfahren viel über das Leben und die Traditionen hier in Usbekistan, denn die jüngste Tochter heiratet in einer Woche und erzählt uns ausgiebig über den Ablauf dieses großen Festes, zu dem 400 Gäste eingeladen sind. Sie und ihre Schwester sind Schneiderinnen und nähen alle Kleider (die Braut braucht 20! Kleider, die sie nach der Zeremonie im typischen weißen Brautkleid, trägt) selbst. Sie zeigen uns stolz die selbst genähten, wunderschönen und reichlich verzierten Kleider aus Seide und Baumwolle.

 

Bei Sonnenuntergang besichtigen wir nun die alte wunderschöne Stadt Buchara mit gut erhaltenen Gebäuden aus den letzten 1000 Jahren.

Im warmen Abendlicht bestaunen wir die Moschee Kalon, das Minarett Kalon, die Miri-Arab-Madrese, Registan und Ark, die alte Festungsanlage.

   

Überall sind bunte Basare und Restaurants. Teehäuser laden zum Verweilen ein. Wir schlendern durch die Altstadt zum „Labiz Hauz“. Um den Platz herum pulsiert das Leben.

Nach Wochen trinken wir unser erstes kühles Bier und es zischt…dazu gibt es leckere Somsa, wir entspannen ….

Ohne irgendwelche Ängste auszustehen, schlafen wir zum ersten Mal wieder richtig lange und gut und in einem kühlen! klimatisierten Raum. Was für eine Wohltat.

Nach Samarkand wählen wir die südliche Route und fahren über die Berge. Wir finden einen schönen Schlafplatz und beschließen einen Tag in windiger und frischer (nur 30 Grad) Höhe zu verbringen.

 

Samarkand

In Samarkand besichtigen wir am zeitigen Morgen den prächtigen Registan. Er ist eingerahmt von drei gigantischen Medressen (Koranschulen) und wir sind total beeindruckt von der majestätischen Schönheit des Platzes. Lange bestaunen wir die kunstvollen Mosaik-und Holzverzierungen.

 

Die Stadt selbst finden wir weniger reizvoll, zumal es immer heißer wird. Trotzdem lernen wir noch einige Ecken kennen, denn wir wollen Geld abheben und suchen ewig nach einem Bankautomaten. In einem Hotel sind wir dann endlich fündig geworden. Nun müssen wir nur noch tanken. Viele Tankstellen haben wir schon auf den Weg nach Samarkand angefahren, doch keine hatte Diesel. Meistens war er ausverkauft oder sie hatten erst gar keinen Diesel. In Usbekistan fahren fast alle Autos auch Busse und LKWs mit Gas. Endlich, an einer kleinen unscheinbaren Tankstelle haben wir Glück. Noch knapp 3 Liter waren im Tank… das war knapp.

Wir fahren weiter auf kleinen Nebenstraßen Richtung Ferghana-Tal ganz in den Osten von Usbekistan. Das Land ist stark von der Landwirtschaft geprägt. Felder werden bewirtschaftet, Viehherden über die Weiden getrieben, Obstplantagen bewässert. Am Straßenrand wird Obst und Gemüse verkauft.

 

Am Nachmittag fahren wir über den Kamchick-Pass (2.300 m) und der Bus kommt bei Temperaturen von 40 Grad und einem sehr steilem Anstieg ordentlich ins schwitzen.

Wir müssen Pausen einlegen, damit der Motor etwas abkühlen kann. Am Straßenrand brutzelt es überall. Hier in Usbekistan werden am späten Nachmittag überall die Holzkohlegrills angezündet und Schaschlik  wird gegrillt. Klar, da kosten wir auch mal.

 

Ferghana-Tal

Das Ferghana-Tal ist das dichtbesiedelste Gebiet in Usbekistan. Hier werden auf der Nutzfläche 80% Baumwolle angebaut und verschiedenste Getreide -, Gemüse -und Obstsorten. Da gerade Erntezeit ist, sehen wir viele Kleinbusse mit Erntehelfern.

Wir machen Abstecher in die kleinen Dörfer und bestaunen und fotografieren die Wein-Spaliere vor den Häusern, an denen saftige volle Trauben hängen. Davor sind oft noch Rosen und Blumen gepflanzt, ein herrlicher Anblick. Stolz zeigt uns ein Bauer seinen prächtigen Wein und schenkt uns eine Traube zum Naschen. Auch hier in Usbekistan sind die Menschen sehr herzlich und offen, fragen nach Selfies mit uns und wollen gern fotografiert werden.

  

In Margílon entdecken wir einen imposanten Basar. Hier werden nicht nur die landwirtschaftlichen Produkte des Ferghanatal´s angeboten, sondern alles, was man gebrauchen kann. Von Autoersatzteilen, Nähmaschinen, Schuhe, Möbel, Bekleidung, Haushaltswaren, lebender Tiere und kostbarer Seide, man findet alles, was man braucht, man muss nur Wissen wo 🙂

 

Das schöne fruchtbare Ferghanatal sollte unser letztes Ziel in Usbekistan sein. An den letzten beiden Tagen durften wir noch einmal die freundlichen und sehr herzlichen Menschen kennen lernen. Bei einer Mittagspause hielten drei ältere Herren, die gerade mit ihren Fahrrädern vom Feld kamen, bei uns an und fragten ganz interessiert, woher wir kommen. Wir tauschten uns mit Fotos, Händen und Füßen über unsere Familien aus und erfuhren, dass der älteste Herr 81 Jahre alt ist, neun Kinder hat und jeden Tag mit seinem Rad zur Feldarbeit kommt. Sie luden uns zum Plov-Essen (das Nationalgericht in Usbekistan)  in ihr Dorf ein, doch wir mußten dankend ablehnen, hatten wir doch gerade gegessen. Wir zeigten anhand der Karte unsere weitere Reiseroute, sie waren begeistert und freuten sich mit uns. Spontan stellten sie sich zusammen und beteten für uns und unsere Reise und sprachen einen Segen aus. Das berührte uns sehr.

 

Am Abend übernachten wir an einem Fluss und werden auch hier wieder eingeladen – natürlich zum Essen. Jeder Gast hat einen sehr schönen Sitzplatz, direkt über dem Wasser. Es wird ein sehr lustiger Abend, dessen Hauptthema der deutsche Fußball mit Schweinsteiger, Lahm, Bayern München und Dortmund ist. Nur RB Leipzig ist leider nicht ganz so berühmt. Viele Usbeken haben nach dem Ausscheiden des deutschen Teams bei der WM 2018 geweint… wird uns immer wieder sehr theatralisch erklärt. 😉

Als wir nach den vielen fröhlichen aber auch anstrengenden Konversationen mit den Usbeken gerade am Einschlafen sind, klopfte es energisch an unseren Bus. Wir bekamen einen ziemlichen Schreck, kannten wir doch dieses Klopfen. Es war schon 23 Uhr und stockfinster. Vor dem Bus stand eine ältere Dame. Sie hatte gehört, dass hier Leute aus Deutschland sind und sie war Deutschlehrerin und möchte unbedingt, dass wir mit in ihr 5 km entferntes Haus zum übernachten kommen. Sie war sehr freundlich aber auch äußerst energisch. Nach einer Stunde Plauderei über ihr Leben, über ihre und unsere Familien, lies sie uns dann doch im Auto schlafen und fuhr mit ihrem Enkel wieder nach Hause.

So bekamen wir in den letzten Tagen noch einen schönen Einblick in das  Leben der so offenen und herzlichen Menschen.