Nun geht es sofort los – Richtung Armenien. Diesmal haben wir uns auf den Grenzgang von Georgien nach Armenien bei Sadakhlo besonders vorbereitet und sind überrascht, dass wir bereits nach gut 1,5 Stunden alles hinter uns gebracht haben, einschließlich der ganzen Formalitäten wie Autoversicherung, Straßenbenutzungsgebühren und Öko-Steuer.

Wie bei jedem Länderwechsel steht natürlich die Beschaffung einer SIM-Karte mit als Erstes an. Anne navigiert uns immer sehr gut per Google-Maps, nur Christian hört manchmal nicht richtig auf ihre Ansagen und biegt einfach mal falsch ab :)…

Alawerdi, Haghpat, Sanahin, Yerewan

Bevor wir nach Alawerdi fahren, besuchen wir das Kloster Haghpat. Eine besonders beeindruckende Klosteranlage aus dem 10. bis 12. Jahrhundert, die trotz Erdbeben und anderer Widrigkeiten kaum baulich verändert wurde und seit 2000 zum UNSECO-Weltkulturerbe gehört. Wir sind beeindruckt von der filigranen Maßarbeiten der Verzierungen an den Gebäuden, die mächtigen Kuppeln, die auf vier Säulen ruhen und an der höchsten Stelle der Gewölbe dringt  durch ein Fenster das Tageslicht in die eher dunklen Gebäude ein. Leider sind die Ausschilderungen und die Zufahrtsstraßen sehr mangelhaft, gerade wenn man sich vergegenwärtig, hier auf einmalige Kulturstätten der Welt zu treffen.

In der Stadt Alawerdi kaufen wir eine SIM-Karte und machen uns anschließend auf den Weg das Kloster Sanahin zu besichtigen. Das Kloster wurde bereits 996 gegründet und steht ebenfalls auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbe. Das Kloster wurde bis in das 13. Jahrhundert ausgebaut und gilt heute als die am besten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage in Armenien. Auch hier sind die kegelförmigen Gewölbe in der Kirche und den Kapellen sehr beeindruckend. Da sehr wenige Besucher in der Klosteranlage sind, können wir alles sehr ausgiebig und in Ruhe besichtigen. Der dunkle Stein und der Bewuchs zwischen den Gebäuden erwecken einen mystischen Eindruck.

Weiter fahren wir auf der eigentlich gesperrten Fernstraße M6 zu einen der größten Hochgebirgssee der Welt. Der See hat eine Länge von 78 km und eine Breite von maximal 56 km und liegt ca. 1.900 m über dem Meeresspiegel. Wir finden Dank Annes Navigationskünsten einen Platz direkt am Ufer zum Übernachten. Da es bereits dämmrig ist und die Mücken (fliegende Riesen und stechfreudig) sehen wir nur wenig vom Sewansee.

Am nächsten Morgen starten wir zeitig und wollen das Sewan-Kloster besuchen. Wir sind so zeitig am Kloster, dass noch nicht einmal die Souvenirhändler ihre Stände aufgebaut haben. Wir genießen die herrliche Aussicht über den See und bestaunen die Klosteranlagen.

Danach geht es weiter gen Süden zum Tempelkomplex von Garni. Hier kann man einen griechischen Tempel aus der Zeit vom 8. Jahrhundert vor Chr. besichtigen, der 1949 durch sowjetische Archäologen aus den bis dato vor Ort vorhandenen Teilen wieder aufgebaut wurde.

In unmittelbarer Nähe befindet sich das sehenswerte Kloster Geghard, ein Klosteranlage aus dem 4. Jhd nach Chr., dessen Räume teilweise aus dem Fels gehauen wurden. Dabei fasziniert die Felsenkirche, deren Säulen und Gewölbe aus dem Fels geschlagen wurde. Auch diese Anlage gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

 

Am Nachmittag fahren wir über die Außenbezirke von Yerevan, der Hauptstadt Armeniens, nach Etschmaidsin. Sie ist das religiöse Zentrum und Sitz des geistlichen Oberhauptes der Armenischen Apostolischen Kirche. Wir wollen die angeblich älteste christliche Kirche der Armenier aus dem Jahr 301 besichtigen. Wir sind erstmal irritiert, denn auf dem Gelände befinden sich sehr viele neue und alte Kirchen und Klöster aber es fehlt jegliche Beschreibung.

 Etschmaidsin, Church of the Holy Archangels

Die eigentliche Kirche wurde im Verlaufe der Jahrtausende mehrfach überbaut und verändert. Auch wir treffen auf Baukräne… Trotzdem gehört die Kathedrale von Etschmaidsin zum Weltkulturerbe. Unter einem großem Aprikosenbaum mit reichlich reifen Früchten erholen wir uns und beobachten, wie sich Mönche zum Abendgebet versammeln. Schnell huschen wir mit in die Kirche und finden neben drei älteren Damen direkt hinter den Mönchen einen Platz.

Wir fünf sind unter ca. 80 Mönchen die einzigen Besucher.  Obwohl wir nicht verstanden haben, was gesagt und gesungen wurde, war der liturgische Gesang sehr eindrucksvoll. Anne wird immer mal freundlich, aber nachdrücklich von ihrer Nachbarin aufgefordert aufzustehen oder die Beine nicht übereinander zu schlagen…

Nun völlig geschafft von den vielen Eindrücken des Tages und der Hitze von über 30 Grad suchen wir uns einen Stellplatz zwischen kleinen Feldern und Bewässerungsgräben in Aknashen. In den späten Abendstunden und bereits mit dem ersten Sonnestrahl geben die Frösche ein ohrenbetäubendes Konzert.

Am sehr zeitigen Morgen werden wir freundlich von Bäuerinnen gegrüßt, die in den kühlen Morgenstunden auf den Feldern das Unkraut jäten. Als wir losfahren wollen, werden wir von einer Bäuerin zum Kaffee eingeladen und erleben eine sehr unterhaltsame Stunde auf der Terrasse mit der gesamten Familie. Alle sind sehr interessiert woher und wohin wir wollen. Wir bekommen viel gezeigt und erklärt zum Haus und Hof. Wir unterhalten uns, mit uns noch bekannten russischen Wörterbrocken, dem Ohnewörterbuch und Translater. Wir zeigen unser kleines Familienfotobuch und können uns damit gut austauschen. Die Familie ernährt sich vorwiegend aus den selbst angebauten Nahrungsmitteln. Sie haben große Gewächshäuser und bauen Paprika, Gurken, Tomaten und Auberginen an, ein Großteil davon wird auf dem Markt verkauft.

  Ohnewörterbuch hilft immer weiter

Als besondere Anerkennung wird Anne der Backofen sowie der Brotschrank gezeigt und zum Abschied bekommen wir zwei große Stücke Lavashbrot geschenkt.

 Backofen

 Unsere Gastgeberin Anahit zeigt wie das Brot vor der Verzehr 5 min mit Wasser befeuchtet werden muss

Lavashbrot steht ebenfalls auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes und zeichnet sich unter anderem durch eine sehr lange Haltbarkeit aus. Anne bekommt gezeigt, wie das Brot „essbar“ gemacht wird, Christian darf sich derweil den Schweinestall angucken…

Gestärkt von Eindrücken und Erlebnissen, wühlen wir uns durch den morgendlichen Straßenverkehr und besichtigen am Vormittag die Innenstadt von Yerevan, unter anderem mit der gigantischen Kaskade, die seit 1970 errichtet wurde aber noch nicht vollendet ist.

 

Bedauerlicherweise müssen wir am Nachmittag uns im einzigen VW-Autohaus um eine neue Antriebsmanschette kümmern. Diese ist nun zum zweiten Mal defekt und muss ausgetauscht werden. In Jerewan, wo vorwiegend sehr, sehr alte und kaputte Autos unterwegs sind, wird uns gesagt, der Bus ist zu alt und kann wegen fehlender Ersatztteile nicht repariert werden. Aber irgendwie wird dann doch noch ein Ersatzteil gefunden und nach 3 Stunden Warterei fahren wir aus der Stadt. Am Kloster Khor Virab, unmittelbar gegenüber dem Berg Ararat, auf dem gemäß des Alten Testaments Noah mit der Arche gestrandet sein soll, finden wir einen Schlafplatz und bestaunen am nächsten Morgen die beeindruckenden Berge.

 Kloster Khor Virab (Armenien) am Fuße des Berges Ararat (Türkei)

Nach einer erstaunlich kühlen Nacht sind wir wieder die ersten Besucher im Kloster Khor Virab und können in die Felsenhöhle hinabsteigen, in der der Legende entsprechend der heilige Gregor 13 Jahre gefangen gehalten wurde. Der Heilige Gregor wird besonders verehrt, denn er hat die christliche Religion nach Armeinien gebracht.

Am Nachmittag steht noch das schönste Bergkloster Armeniens, Noravank auf unserem Reiseprogramm. Eine wunderschöne Canyoneinfahrt führt zwischen roten Felsen zum am Ende der Schlucht liegendem Kloster. Einfach phantastisch und überwältigend, diese architektonische Baukunst. Auch hier finden wir die typischen armenischen Steinkreuze. Auch diese Handwerkskunst Armeniens hat es in die Liste der UNESCO Weltkulturerbe geschafft.

  

 

Und weil der Bus unbedingt mal eine Dusche brauchte, fahren wir am Nachmittag in eine SB-Waschanlage mit Erlebnisfaktor. Der Wasserstrahl hatte so viel Druck, dass Christian beinahe umgefallen wäre. Nach einer wochenlangen Staub- und Schlammpackung ist der Bus kaum wiederzukennen.

 

Von Norawank nach Goris

Am nächsten Morgen gibt es zum Frühstück das Brot, was wir von unseren Gastgebern geschenkt bekommenen –  Lavash. Das zwar hauchdünne aber große Brot passt nicht auf unseren Tisch… Wir weichen es vorschriftsmäßig ein und belegen oder rollen es, gefüllt mit Tomate, Käse und Salami und es schmeckt uns sehr gut!

 

Bei Getab an der M2 haben wir den ersten kleinen Campground in Armenien entdeckt und machen PAUSE. Wir sind bis zum späten Abend die einzigen Gäste. Nicht nur der Bus hatte eine Wäsche nötig auch wir und unsere Kleidung. Wir  genießen den Luxus einer Waschmaschine (obwohl uns das gemeinsame Wäsche waschen auch immer großen Spaß macht) und nehmen uns Zeit für die weitere Planung, telefonieren und schreiben Mails.

Am nächsten Morgen geht es über den Vorotan Pass in 2344 m Höhe. Wieder sind wir von den prächtigen Blumenwiesen (ähnlich wie im kleinen Kaukasus in Georgien) sehr beeindruckt. Oben angekommen braucht der Bus erst einmal eine Pause, denn er kocht… Wir füllen wie immer in den Bergen unsere Trinkwasservorräte an einer der vielen Quellen auf. Dabei entdecken wir diese Fische, die wohl auf ihren Verkauf warten.

  

 

Als wir weiterfahren sehen wir eine kleine Radfahrergruppe und halten spontan. Es ist Jamie mit seinen Eltern aus Dänemark. Sie sind seit März auch auf der Seidenstraße gen Osten unterwegs und fahren große Strecken mit dem Rad, was uns sehr beeindruckte. Wir hoffen, dass wir uns mal wieder treffen.

Auf unserer Strecke, der M 2 Richtung Iran, sehen wir immer wieder die Hinweisschilder, das wir auf dem richtigen Weg.

Bei Sissian schauen wir uns ein bronzezeitliches Gräberfeld mit mehr als 200 aufrechtstehenden und bis 10 Tonnen schweren Felsbrocken an. Sie haben teilweise kreisrunde Löcher und einige Steine sind  kreisförmig aufgestellt. Ein mystischer Ort, man nennt ihn auch „Armeniens Stonehenge“.

Etwas östlich von Goris gibt es auch in Armenien ein Höhlendorf, welches man über eine  160m lange Hängebrücke erreichen kann. Die Siedlung ist bei weitem nicht so groß wie die in Kappadokien in der Türkei aber die Höhlen waren bis vor 70 Jahren noch bewohnt. Die Höhlen sind teilweise mit unterirdischen Gängen verbunden und liegen in einem wunderschönen Tal.

 

 

Nun geht es weiter auf der M2 in den südlichsten Zipfel Armeniens zur Grenze in den Iran. Unterwegs, in Tatev, lassen  wir es uns nicht nehmen und fahren mit der längsten Pendelseilbahn (Wings of Tatev) der Welt. Mit der Seilbahn fährt man zur Klosteranlage Tatev. Die Seilbahn wurde in nur 10 Monaten erbaut, von Armenischen Geschäftsleuten finanziert und zieht nun viele Touristen an, was für das kleine  Land Armenien sehr wichtig ist.

Die Klosteranlage aus dem Jahre 895 wird gerade sehr schön restauriert und ist wie all die zahlreichen Klöster Armeniens sehr beeindruckend.

Wir wandern durch das Dorf Tatev. Hier ein kleiner Einblick in das dörfliche Leben Armeniens. Ähnlich wie in Georgien sind die Häuser mit Blech gedeckt. Im Garten wird viel Obst und Gemüse angebaut auch Hühner, Enten, Kühe und Schweine werden zur Selbstversorgung gehalten. Feinen englischen Rasen oder Hollywoodschaukeln findet man garantiert nicht. Der Garten ist ausschließlich als Nutzfläche gedacht. Die Straßen sind nicht befestigt, wenn es regnet ist ein Vorwärtskommen zu Fuß aber auch mit Auto schwer.

 

Nun planen wir unsere Reise in den Iran und müssen noch einige Vorbereitungen treffen. Wir suchen uns, bevor wir ein neues Land einreisen immer kleine Kaffee’s oder Bibliotheken mit freien WIFI. Gleichzeitig aktualisieren wir unseren Blog und schauen immer ganz gespannt nach, ob es neue Kommentare gibt. An dieser Stelle mal wieder ein herzliches Dankeschön an alle fleißigen virtuellen Reisebegleiter und eure Kommentare dazu.

Im Iran werden wir nun eine ganz andere Kultur kennen und erleben lernen. Auch wenn wir geografisch die Grenze zu Asien schon überschritten haben, haben wir nun erst das Gefühl, richtig in Asien einzutauchen…

Bisher wurden wir als deutsche Touristen überall sehr freundlich angesprochen und auch zu Tee und Kaffee eingeladen. Wir haben uns überall sehr sicher gefühlt auch mit der Gendarmerie und Polizei gab es keine Probleme. Wir hoffen sehr, dass das es so gut weiter läuft.