Wieder einmal stand ein Grenzübergang an. Nach sorgfältiger Recherche von anderen Reisenden machten wir uns keine Gedanken zum Grenzübertritt von der Türkei nach Georgien. An der Grenzübergangsstelle warteten nur ein PKW und ein Reisebus. Es sollte wohl alles recht schnell gehen. Bei der zweiten Schranke des türkischen Zolls wurden unsere Pässe kontrolliert. Anne musste nach Aufforderung den Personenübergang zu benutzen, was wir bisher bei Grenzübergängen noch nicht erlebt hatten. Nichts ahnend nahm Anne nur ihren Reisepass und ging in einem separaten Gebäude durch tunnelähnliche Gänge auf die georgische Seite. Die Aus- und Einreiseabfertigung für Anne war problemlos und sie wartete bei Nieselregen an der PKW-Schranke auf der georgischen Seite auf Christian und den Bus. Jedoch Christian wurde mit seinem Bus aus der Ausreiseschlange heraus gewunken und musste nach längerer Wartezeit mit zwei türkischen Zollbeamten in die nächste türkische Stadt Kopa 17 km zurückfahren. Dort wurde der Bus von einem Fahrzeugscanner durchleuchtet. Im Anschluss ging die Fahrt wieder zurück zur Grenzstation, dort wurde abermals der Bus von türkischen Zollbeamten durchsucht. Das alles dauerte über 5 Stunden – und beanstandet wurde am Ende nichts. Nichtsahnend von all dem, machte sich Anne große Sorgen, sie wandte sich an mehrere georgische Beamte, diese erklärten immer wieder, dass kein VW-Bus über die Grenze gekommen ist. Somit blieb ihr nichts anderes übrig, als wieder durch den Personenübergang zurück auf die türkische Seite einzureisen. Doch auf der türkischen Seite war auch kein VW-Bus mit Christian zu finden. Was war hier los? Nun war Anne am Verzweifeln und konnte sich dies alles nicht erklären. Anne konnte nicht ahnen, dass Christian genau in diesem Zeitraum, den Grenzübergang nach Georgien geschafft hatte und nun auf der georgischen Seite verzweifelt nach Anne zwischen den Hunderten von Personen suchte. Anne fragte nun viele türkische Beamte nach einem weißen VW-Bus, doch keiner hatte einen gesehen. Glücklicherweise kümmerte sich sehr umsichtig und intensiv eine türkische Zollbeamte um unser Problem, suchte mit Anne das Gelände ab und telefonierte mit der georgischen Seite. Durch die Beamte erfuhr Anne, dass Christian auf der georgischen Seite wartete. Daraufhin reiste Anne wieder aus der Türkei aus, was wiederum beim türkischen Zoll viele fragenden Blicke und Kontrollen auslöste, doch dann reiste sie problemlos wieder auf der georgischen Seite ein. Nach 5 Stunden Ungewissheit waren wir glücklich, uns endlich wieder zu haben.

Christian erledigte noch an der Grenze die KFZ-Versicherung für Georgien und besorgte eine Prepaid Karte. In der Zwischenzeit wurde Anne von einem jungen Paar aus Wuppertal angesprochen, die sehr erfreut waren, ein Auto mit deutschen Kennzeichen in Georgien zu sehen. Sie erzählten viel von ihren schönen Urlaubserlebnissen in Georgien und lenkten Anne damit von ihrem Einreisestress ab. Auf diesem Weg einen lieben Gruß an Ulrike und Holger aus Wuppertal.

Wir fanden an diesem Abend trotz Regen einen sehr schönen Platz an der Schwarzmeerküste bei Batumi.

Rund um Batumi herrscht suptropisches Klima, die Vegetation ist hier sehr üppig, es gibt viel Zitronen- und Orangenplantagen, es wächst mehrere Meter hoher Bambus. Lianen hängen von den Bäumen und alles ist satt grün.

Kutaissi

Am zeitigen Morgen fahren wir Richtig Kutaissi, sehen viele Haselnuss- und Teeplantagen. In Kutaissi sehen wir uns das gregorianische Kloster Gelanti, das zum Weltkulturerbe gehört an und besichtigen die Kathedrale Bagrati.

  Gelanti

  Bagrati

Nach drei Tagen Regen sehnen wir uns nach Sonne! Auch Wäsche waschen ist mal wieder erforderlich. Also probieren wir am nächsten Tag unsere neue Waschmaschine aus, eine Plastikschraubtonne… die wir für 3 € in der Ukraine gekauft hatten. Gefüllt mit frischen Quellwasser, etwas Soda, Waschmittel und unserer Schmutzwäsche kam die Tonne gut verschlossen aufs Busdach und wurde bis zum späten Nachmittag durch die georgische Bergwelt geschuckelt. Am Nachmittag spülten wirt unsere Wäsche am Gebirgsbach. Da sich keine Gelegenheit zum Wäschetrocknen ergab kam sie zu kurzerhand zu einem erneuten Spülgang aufs Busdach.

Großer Kaukasus | Svaneti-Nationalpark

Unser eigentliches Ziel in Svaneti war Uschguli, das höchst gelegene bewohnte Dorf Europas auf 2.500 m Höhe. Die in der Straßenkarte ausgewiesene Straße erwies sich als offroad – Fahrweg, den unser Bus tapfer bis zu einer Höhe von 2.000 m über Stock und Stein und mehren Wasserdurchfahrten schaffte.

Dann war Schluss, große Gebirgssteine und Wasser machten ein weiterkommen für den Bus nicht möglich. Wir packten unseren Rucksack und gingen zu Fuß weiter. Ein faszinierendes Bergpanorama bei nun endlich klarem Sonnenwetter, herrlichen Blumenwiesen mit unendlich vielen Orchideen, Primeln, Lilien, Wolfsmilchgewächsen, Pfingstrosen und Rhododendren machen diesen Tag für uns unvergesslich.

 

   

    

Am späten Nachmittag fahren wir runter ins Tal und schlagen unser Lager auf einer Kuhwiese am tosenden Gebirgsbach auf. Die Wäsche kommt bei Sonne und gutem Wind auf die Leine und wir lassen die Beine baumeln.

 

Unser ursprüngliches Ziel war noch eine Wanderung durch den Svaneti-Nationalpark. Bei herrlichem Sonneschein fahren wir auf eine Höhe von 1.500 m. Doch alles kommt mal wieder anders. Unterwegs bemerkten wir, dass der Bus Diesel leckte. Das machte uns Kopfzerbrechen, anstatt zu wandern haben wir auf einer Gebirgswiese die Ursache gesucht und an der Dieselpumpe gefunden. Eine der Überwurfmuttern hatte sich wahrscheinlich auf einer Offroadfahrt gelockert.

Nach einer etwas kniffligen Reparatur konnten wir weiterfahren und mussten leider an einem reisenden Gebirgsbach, der unseren Fahrtweg querte, umkehren. Durch die Regenfälle der letzten Tage war der Bach nicht passierbar.

Also steuern wir unser nächstes Ziel an,  die Stadt Gori. Der kürzeste Weg von Oni nach Gori, wo wir das Stalin-Museum besichtigen wollen, führt immer entlang an den Gebirgszügen des Zentral-Kakasus. 20 km östlich von Oni, auf der Straße 25 wurde die Straße immer schlechter und nicht mehr befahrbar. Offensichtlich sind seit mehreren Jahren keine Fahrzeuge mehr hier entlang gefahren. Auf unserer Faltkarte ist eine Inlandsgrenze eingetragen zu Ost-Südossetien, ein Gebiet was sich 2008 nach dem Kaukasuskrieg von Georgien abgespalten hat. Ein Weiterkommen auf dieser Straße, für die sich niemand mehr verantwortlich fühlt, war somit für uns nicht möglich. Wir müssen zurückfahren und einen Umweg von 200 km in Kauf nehmen. Die Leidtragenden von diesen ethnischen Konflikten sind die Einwohner dieser Krisengebiete, die in diesen Regionen wohnen und so zwischen den Fronten in äußerst ärmlichen Bedingungen leben. Wir durchfahren Dörfer, in denen nur noch sehr wenige Häuser bewohnt sind, der größte Teil ist leerstehend und zerfällt. Wir fragen uns, wie die Einwohner ohne Infrastruktur hier existieren können.

 

Zum Ausgleich für diesen anstrengenden Tag finden wir an einem Stausee, auf einer Margeritenwiese einen sehr schönen und ruhigen Schlafplatz und denken noch lange über die Erlebnisse des Tages nach.

Heute, am 5. Juni, kam eine E-Mail unserer Visa-Agentur, dass die Genehmigungen für unsere Visa immer noch ausstehen, also müssen wir weiter warten, uns in Geduld üben und eventuell unsere Reiseroute ändern. 

Gori und Uplisziche

Auf dem Weg nach Uplisziche fahren wir durch Gori, den Geburtsort von Stalin. An allen Ecken werden an den Souvenirkiosken und Ständen Bildchen, Trinkflaschen, Streichholzschachteln und andere „Erinnerungsstücke“ an Stalin verkauft. Die ganze Stadt strahlt immer noch den Stalinismus aus, die Bewohner sind ganz offensichtlich stolz auf Stalin.

Das Museum hat bis auf sehr wenige englische Untertitel nichts an der Ausstellung verändert und es wird ein Personenkult wie in den 1950’er Jahren betrieben und in keiner Weise wird angemessen auf die Verbrechen von Stalin eingegangen. Das enttäuscht uns sehr.

Uplisziche ist eine der ältesten Siedlungen der Menschheit und ist eine Festungsanlage und Höhlenstadt, in der bis zu 700 Wohnungen in den Sandstein gegraben wurden. Sie war eine wichtige Handelsmetropole an der Seidenstraße. Das ganze Areal, die Ausgrabungen und Reste sind sehr beeindruckend und absolut sehenswert. Beim Besichtigen der Hallen, Höhlen und Plätze kann man sich gut in die damalige Zeit zurückversetzen.

 

Wir übernachten am großen Zhinvali Stausee, gegenüber der Ananuri Burganlage, die wir uns am darauffolgenden Tag anschauen.

Stepanzminda-Großer Kaukasus mit Kasbek

Schon die Fahrt auf der Passstraße in den großen Kaukasus durch enge Straßen und steile Anstiege ist sehr beeindruckend. Wir fahren bis zur russischen Grenze und schauen uns die zum Teil sehr neue Klosteranlagen an.

  

Von Stepanzminda auf 1.880 m Höhe starten wir zu einer Wanderung zum Fuße des Kasbek (5.047 m), der drittgrößte Berg Georgiens und jener Berg, an dem, nach der griechischen Mythologie, Prometheus angekettet war.

 

Wir überwinden bei einer sehr anstrengenden, steil ansteigenden Tour und bei herrlichem Sonnenschein 1.000 Höhenmeter aber die Anstrengung hat sich gelohnt. Bei klarer Sicht auf knapp 3.000 m Höhe bestaunen wir den Kasbek mit seinen zahlreichen Gletschern und die umliegenden schneebedeckten Gebirgsketten. Der Blick in den Kaukasus hinein ist faszinierend und unbeschreiblich. Hier oben ist eine absolute Stille, Zeit um dankbar für Gottes Schöpfung zu sein.

Bei der Wanderung entdecken wir wieder schöne hochalpine Blumenwiesen mit Primeln, Schachbrettblume und Azaleen und auch eine Kreuzotter schlängelte sich vor unsere Füße.

Hier ein kleiner Gruß an unsere Schlangenexpertin Emilia 🙂

Diese Wanderung war die bisher Schönste auf unserer Reise.

Die immer noch nicht bestätigten Visa beschäftigten uns weiterhin, weil wir nicht wissen, welche Reiseroute wir einschlagen können. Wir entschließen uns, noch 5 Tage zu warten und fahren ganz in den Ostwesten Georgiens, an die Aserbaidschanische Grenze.

Wir fahren nach Telawi. Diese Stadt, im 2. Jahrhundert gegründet, wurde dank seiner Lage an der Seidenstraße zu einem großen Handelszentrum Georgiens. Die Stadt wurde vor einigen Jahren aufwendig restauriert, hier steht auch der älteste Baum Georgiens, eine 900! Jahre alte Platane.

 

Wir fahren zum Alawerdi Kloster und im nur 15km entfernten Iqalto Kloster bestaunen wir die Überreste der ältesten und bedeutendsten wissenschaftlichen Akademie Georgiens.

Nun wagen wir uns ein Stück den Albano Pass (einer der angeblich gefährlichsten Pässe der Welt) zum Tusheti National Park hinauf. Der Zustand der Straße wird nach einigen Kilometern so schlecht, dass wir beschließen unser Auto zu schonen und nicht weiter in die Höhe zu klettern, denn schließlich haben wir noch einige 1.000 km Strecke vor uns. Wir machen eine Pause am reißenden Gebirgsbach und beobachten die Hirten, die ihre Herden den steilen Pass hinauftreiben.

David Gareji

Das Kloster David Gareji liegt an einem Felsen, direkt an der aserbaidschanischen Grenze. Es zählt mit seiner angrenzenden Höhlenstadt mit zu den ältesten Wohnsiedlungen der Welt. Im Kloster lebt eine kleine Mönchsgemeinde, die sich um die bauliche Erhaltung des Klosters bemüht. Hier, ganz im Osten Georgiens ist nur noch Steppe. Die Hitze ist fast unerträglich, dennoch besteigen wir die Bergformation hinter den Wohnhöhlen. Der Anstieg ist wahrlich schweißtreibend, wir werden aber mit einem herrlichen Blick in die weite Steppe Aserbaidschans und Georgiens belohnt. Die patrouillierenden Grenzsoldaten sind freundliche und zeigen uns mit einem Steinwurf, wo Aserbaidschan anfängt, nämlich genau einen Meter neben uns… und wir sollen bitte in Georgien bleiben 🙂

 

Diese Echse hat sich extra für Lasse und Bjarne ins Bild gesetzt 🙂

 

Unser letztes Ziel in Georgien: Tbilissi – die Hauptstadt Georgiens

Wir bummeln drei Tage, mal bei Regen, mal bei Sonne durch die bezaubernde Altstadt, schauen uns viele Kirchen, Museen und natürlich den botanischen Garten an. Durch die Altstadt führte einst die Seidenstraße, dort findet man noch eine Karawanserei mit Museum. Die Stadt ist belebt vom Tourismus, an allen Ecker stehen Tourenanbieter.

In Tbilissi essen wir, in einem der zahlreichen wundervollen Restaurants, eine georgische Spezialität, Khinkali –Teigtaschen mit Fleisch und Kräutern gefüllt, sie schmecken einfach hervorragend!

 

Diese kleine Katze setzte sich wie selbstverständlich neben uns und bekam auch einen kleinen Happen ab.

Durch ein Kellerfenster erspähen wir eine kleine Bäckerei, wo das typische georgische Brot in einem Steinofen gebacken wird. Dabei wird der Weizenfladen an den Innenrand des Ofens geklatscht. Spontan fragen wir den Bäcker, ob wir fotografieren dürfen. Wir steigen durch das Kellerfenster in sein kleines „Reich“ und er weiht uns in seine Handwerkskunst ein. In dem Keller ist es unwahrscheinlich heiß. Christian bekommt einen starken Schnaps angeboten und wir essen gemeinsam frisches Brot mit einem selbstgemachten Aufstrich, zu dem uns der Bäcker einlädt.

Zusammenfassend können wir sagen, das Georgien mit seinen Nationalparks, Kirchen und Klöstern, alten Städten und Felsenwohnsiedlungen, den leckeren georgischen Spezialitäten, den überaus freundlichen Menschen ein lohnenswertes Reiseziel ist… fahrt oder fliegt einfach mal hin!

Wir warten nun auf unsere Pässe und ihr hört, so Gott will, dann aus Armenien wieder von uns.

Vielen Dank für die Kommentare die wir von Euch erhalten haben. Leider sind bei einem Update die Kommentare von Katharina und den 4 Erdmännchen „verloren gegangen“. Auf diesem Weg vielen Dank und liebe Grüße. Wir freuen uns über jede Nachricht.

Wir müssen immer noch auf unsere Reisepässe aus Deutschland warten und beschließen die Zeit nicht in Tbilissi sondern im Trialeti Planned National Park (kleiner Kaukasus) zu überbrücken. Der Nationalpark liegt nur ca. 80 km östlich von Tbilissi entfernt und überraschte uns mit üppigen und riesigen Blumenwiesen. Überall blühen Wiesenblumen, gelbe georgische Lilien, violette Dschawachetische Gladiolen, Primeln, Betonien, Helmkraut, Margeriten, Sommerenzian und viele uns unbekannte Blumenarten. Es ist ein Farbenfeuerwerk der Natur! Noch nie haben wir solche prachtvollen Blumenwiesen gesehen. Am Rande einer solchen Wiese finden wir einen herrlichen Stellplatz und erleben in der Nacht ein heftiges Gewitter, welches scheinbar aus allen Himmelsrichtungen über uns herabbraust.

Am folgenden Sonntag fahren wir bis Ninozminda, einer Kleinstadt an der Grenze nach Armenien. Unterwegs fahren wir durch Ortschaften, die einen sehr trostlosen Eindruck vermitteln, die Straßen sind in einen sehr schlechten Zustand, die Häuser mit Wellblech eingedeckt und häufig in einem desolaten Zustand. Manchmal sind wir überrascht, dass die Häuser noch bewohnt sind, weil die Fenster mit Folien verschlossen sind und manchmal auch Gebäude eingefallen sind.

 

Hier ein Gruß von der Blumenwiese an Ingrid in München.

Die Landschaft ist auf der Passstraße jedoch überwältigend, riesige Bergketten mit wunderschönen Blumenalmen.

Am Montagvormittag geht es zurück nach Tbilissi  und endlich können wir bei der DHL-Station unsere Pässe (die Visa haben wir im Februar beantragt!) abholen. Lange haben wir auf die Reisepässe mit den Visa für Iran, Usbekistan und China warten müssen – nun haben wir sie erhalten, es wurde höchste Zeit, dass lange warten und die vielen Telefonate waren nervenaufreibend.

Dennoch fehlt ein entscheidendes Visa… hoffentlich müssen wir nicht wieder zurückfahren um den Nordweg anzutreten.