Unsere Einreise in das 2. Reiseland, was nicht der EU angehört, war schnell und komplikationslos. Passkontrolle, Überprüfung der Fahrzeugpapiere und der Grünen Versicherungskarte, kurze Fahrzeugkontrolle durch den Zoll und schon waren wir durch, nach höchstens 30 min. Eingestellt hatten wir uns wieder auf mehrere Stunden an der Grenze.

Wie in jedem neuen Reiseland müssen wir erst einmal Geld tauschen und eine neue SIM-Karte zum navigieren und recherchieren im Internet besorgen. Die einheimischen Lebensmittel sind für sehr preiswert. So haben wir 2 kg Tomaten für umgerechnet 70 Cent und 1 kg roten Paprika für 1 Euro eingekauft. Wie in Rumänien und Bulgarien sind die eingeführten deutschen Markenprodukte so auch hier in der Türkei sehr teuer und eigentlich nicht notwendig, denn es gibt alles in einer sehr gutem Qualität. Aber die deutschen Marken sind alle vertreten, von der Butter über die Kosmetik bis zu den Haushaltswaren. Unser erstes Ziel in der Türkei war die Stadt Erdine. Diese Stadt hatten wir bereits vor 15 Jahren mit unseren Kindern besucht. Erdine hat einen sehr schönen Basar und ein buntes Markttreiben.  Ein Einwohner von Erdine lud uns zum Tee ein und war uns beim Kauf der SIM-Karte behilflich. Er hat 15 Jahre mit seiner Familie in Tübingen gelebt und ist nun wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Am Abend finden wir nach einer etwas längeren Suche einen tollen Übernachtungsplatz direkt an der Steilküste zum schwarzen Meer.

Am Morgen begrüßte uns eine Landschildkröte. Mit ihrer Ruhe und Gelassenheit suchte sie sich einen schattigen Ruheplatz unter unserem Auto und wollte uns wohl damit sagen, bringt mehr Gelassenheit in eure Reise. Was wir mit einem Ruhetag auch gleich umgesetzt haben.

Am Abend wurden wir von Picknick-Nachbarn zum türkischen Tee, gegrilltem Lamm und Wodka eingeladen.

Istanbul

Heute haben wir ZWEI die 15 Millionenstadt Istanbul unsicher gemacht. Nach intensiver Recherche zur Verkehrslage dieser Mega-City haben wir beschlossen, bereits am sehr zeitigen Morgen in die Stadt zu fahren. Über die App iOverlander haben wir mitten in der City auf einem Sportplatz einen Stellplatz und bewachten Parkplatz gefunden. Nach nur ca. 30 min Fußweg waren wir an der Moschee Hagia Sophia, Blaue Moschee und dem Grand Basar. Beeindruckend ist der vielfältige Handel, der an jeder Ecke und mit allem was man sich denken kann, betrieben wird.

Am Mittag gönnten wir uns eine 1,5 h lange Schifffahrt auf dem Bosporus und genossen vom Wasser aus die alte und neue Skyline von Istanbul und fuhren mit dem Schiff zwischen Europa und Asien. Istanbul ist auf jedem Fall eine Reise wert. Den Flair dieser Stadt, mit den vielen Moschen und dem einzigartigem Grand Basar, kann man schwer beschreiben – man muss es einfach erleben, die Farbenvielfalt, die vielen bunten Stoffe oder die Gewürze und Düfte wie aus tausendundeiner Nacht.

      

Als wir am zeitigen Sonntagmorgen Istanbul in Richtung Zentralanatolien verlassen, sind wir beeindruckt von der Größe dieser Stadt, die es sicher mit ihrer perfekten Infrastruktur und der Größe der Wolkenkratzer mit Städten in Amerika aufnehmen kann.

Wohin unsere weitere Reise führt? Lasst Euch überraschen!

Eine ruhige Nacht in den Bergen – eine Erholung für die Ohren und Nerven nach der Istanbul-Tour.

Pamukkale

Das Weltkulturerbe Pamukkale (übersetzt Baumwollschloß) war unser nächstes Ziel. Mitten in der Landschaft leuchteten schneeweiße Kalksteinbassings an den Hängen eines Gebirgszugs, geformt durch Ablagerungen von 33 Grad warmen Thermalwasser. Die überraschende und einzigartige Ansicht von weisen Kalksteinablagerungen erschien uns faszinierend und unwirklich. Zu vergleichen mit einer mit Zuckerguss übergossenen Hochzeitstorte. Angesichts der Hitze von 34 Grad und der grellen Sonne besuchten wir erst am späten Nachmittag die Kalkfelsen. Am Fuße der Felsen muss man seine Schuhe ausziehen und läuft barfuß über die Kalbsteinhänge. Das Thermalwasser läuft ständig über die Felsen und bringt immer neue weise Sole mit. An einigen Stellen haben sich hüfttiefe Wasserbecken gebildet. Schon die Römer entdeckten die heilende Wirkung der Thermalquellen und bauten im 2. Jahrhundert n. Chr. die Stadt Hierapolis. Beeindruckend ist unter anderen das sehr gut erhaltene Theater sowie weitere noch gut erhaltene Bauten aus römischen Zeiten.

Das sich ständig verändernde Abendlicht hat uns immer wieder auf den Auslöser drücken lassen, so dass viele schöne Bilder entstanden sind.

Die Landschaft von Zentralanatolien ist geprägt von teilweise sehr hohen Gebirgszügen und großen Hochebenen. Auf der Fahrt sehen wir vielfältige Obstplantagen, mit Pfirsich-, Aprikosen-, Kirschen-, Mandel-, Walnussbäumen. Dazwischen sind immer auch wieder  größere Felder mit Weizen angebaut. Eindrucksvoll sind die Fahrten durch die Gebirgsdörfer, man sieht viele einfache Häuser, die teilweise kaputt sind und trotzdem bewohnt werden. Die Menschen leben vom Ackerbau und Viehzucht. Viele Hirten treiben ihre Viehherden über die weitläufigen Wiesen, häufig werden die kleinen Felder von Hand und wenig Technikeinsatz bearbeitet. Selten führen befestigte Straßen durch die Ortschaften. Im krassen Gegensatz entstehen in den Städten viele moderne Hochhäuser und großzügig ausgebaute Umgehungsstraßen, welche überdimensioniert sind.

Heute war in Stadt Ispanda Wochenmarkt. An kilometerlangen Ständen verkauften die Bauern aus dem Umland Obst, Gemüse, Molkereiwaren, Gewürze, Nüsse, Oliven und Fisch. Ein herrlich buntes Markttreiben, der Handel ist immer wieder faszinierend.

  

Konya

Auf der Fahrt nach Konya, einer Stadt in Zentralanatolien kamen wir an sehr schönen Gebirgsseen in teilweise 1.500 m Höhe vorbei.

An den Straßen befinden sich Wasserstellen, an denen man frisches Quellwasser zapfen kann. Wir füllen mit diesem klaren, köstlichen und eiskalten Wasser unsere Trinkflaschen oder auch den Wassertank am Bus auf.

Gerade werden an den Straßenrändern erntefrische Erdbeeren vom Feld angeboten. Wir kaufen für umgerechnet 90 Cent mehr als ein Kilo Erdebeeren. Die Bäuerin ist sehr freundlich und lässt ein Foto mit Anne knipsen.

Konya ist eine Pilgerstätte für Sufis, eher bekannt als die tanzenden Derwische. Wir besuchen das ehemalige Kloster des Mevlevi-Ordens, was heute ein Museum ist. Eine sehr schön restaurierte Anlage mitten in der quirligen Altstadt.

Die Häuser und Straßen der Altstadt sind sehr schön restauriert und es macht trotz der Hitze Spaß durch die Gassen mit den vielen Basaren zu laufen.

 

In dem zentralen Obst- und Gemüsebasar darf Anne von einer Spezialität, Schafskäse mit Grauschimmel, kosten. Kaufen möchte sie keinen, Anne meint es schmeckt nach vergammeltem Camembert. 🙂

Kaffee wird frisch auf dem Basar geröstet und gestampft angeboten.

Die Stadt ist in den letzten Jahren rasant gewachsen, mit Hochhäusern und vielen top gepflegten Grünanlagen.

Konya ist ein Kandidat für die UEFA-Euromeisterschaften 2024.

Wir drücken der Stadt dafür die Daumen.

Kappadokien

Auf dem Weg in das Göreme-Tal fahren wir ein Stück der Seidenstraße entlang und besichtigten die Sultanhani Karawanserei. Sie ist die größte und prachtvollste aller erhaltenen seldschukischen Karawansereien. Wir bestaunen das prächtig verzierte Eingangsportal, den kühlen schattigen Innenhof und sehen vor unserem inneren Auge die Kamelkarawanen rasten.

 

Kappadokien ist die wundersamste Landschaft Anatoliens. Mit verschlungenen Tälern und Felsplateaus entsteht ein phantastisches Spiel von Formen und Farben. Der weisgelbe Tuffstein ist zu bizarren Felsformationen erodiert und wurde in vielen hunderten von Jahren von Menschen ausgehölt und eine unüberschaubare Anzahl von Wohnräumen, Gräbern, unterirdischen Siedlungen und mehr als 300 Kirchen ausgehöhlt. Diese unterirdischen Siedlungen dienten den christlichen Gemeinschaften als Versteck.

Wir fahren über Aksaray wo wir in einer Werkstatt innerhalb von einer Stunde eine kleinere Reparatur am Auto vornehmen lassen. Es musste am rechten Vorderrad eine Antriebsmanschette ausgetauscht werden. In der Türkei sind die Handwerker immer innerhalb eines Straßenzuges oder einem Viertel angesiedelt. Die Achsmanschette haben wir bei einem Händler gekauft und wurden gleich an eine Werkstatt „weitergereicht“ und alles zusammen hat dann nicht mal 30 Euro gekostet.

Ebenfalls in Aksaray mussten wir unsere Prepaidkarte aufladen. Auch das war wieder in der „Straße der Händler mit  Prepaidkarten“ kein Problem und schnell erledigt.

Danach fahren wir nach Göreme, einer nicht weit entfernten Kleinstadt, die das Tor zum Göreme-Tal bildet, was eine wundersame und phantastische Landschaft für jeden Besucher eröffnet. In Göreme steht der höchste Tuffsteinfelsen, indem eine ganze Wehranlage entstanden ist,von außen ein natürlich wirkender Felsen und innen mit Räumen, Gängen und Wehranlagen versehen. Den ganzen Nachmittag verbringen wir in der Burg und in einem kleinen Kaffee, dessen Besitzer 20 Jahre in Deutschland gearbeitet hat und ein Deutsch mit Frankfurter Akzent spricht. Von ihm bekommen wir noch den Tipp, wo wir trotz des Ramadan den besten Kappadokien-Wein kaufen können. Am Abend finden wir zwischen den herrlichen Felsentälern und Weinbergen einen Schlafplatz mit Panorama-Blick.

 

Ganz in unserer Nähe übernachten zwei Fahrradreisende aus Spanien. Von ihnen bekommen wird den Tipp, dass am Morgen bei Sonnenaufgang hier die Heißluftballone vorbei fliegen. Am nächsten Morgen erleben wir ein faszinierendes Spektakel… mehr als 100 farbige Ballone schweben in sehr geringer Tiefe über uns hinweg um dann im Love Valley einzutauchen. Ein paar Bilder von dieser stimmungsvollen Ballonshow seht ihr hier.

  

Südostanatolien – Sanliurfa, eine der ältesten Siedlungen der Welt

Wir fahren in Richtung der syrischen Grenze. Hier ist die Landschaft karg und sehr trocken. Wir haben Temperaturen von teilweise um die 35 Grad und fahren entlang des Euphrat. Wir bestaunen den 1993 fertig gestellten Atatürk-Staudamm, der die umliegende Region mit Wasser insbesondere für die Pistazien- und Baumwollplantagen liefert. Trotzdem leben die Menschen in sehr ärmlichen Verhältnissen.

Sanliurfa, eine der ältesten Siedlungen der Welt ist nunmehr eine gigantische Millionenstadt mit einer gut erhaltenen Altstadt, Basar- und Parkanlagen. In dieser Stadt soll Abraham geboren worden sein. Die Hitze war unerträglich, deshalb schauten wir uns nur die Altstadt und die Abrahamgrotte an.

Unsere Fahrt geht weiter nach Harran, ein Dorf 10 km vor der türkisch-syrischen Grenze. Hier ragen bienenstockförmige Häuser aus gepresstem Lehm in den Himmel . Die Lehmhäuser werden immer noch bewohnt, wie vor 2.000 Jahren. In unmittelbarer Nähe steht ein neues Wohnviertel aus Betonhäusern, wir haben den Eindruck, dass Alte verträgt sich nicht mit dem Neuen.

 

Auf dem Weg in den Süden sahen wir in mitten der heißen Einöde zwei Zeltstädte für syrische Flüchtlinge. Wir können das Elend und die Trostloßigkeit angesichts der Größe der Lager und der Abgeschiedenheit, inmitten der kargen Landschaft, nachvollziehen.

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Harran

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Harran 36.870832, 39.034424

UNESCO-Weltkulturerbe Berg Nemrut

Ein weiteres Ziel in Südostanatolien ist der Berg Nemrut im gleichnamigen Nationalpark. Auf diesem Berg in 2.000 m Höhe ließ der König Antiochus I. 69 -34 v. Chr. eine Kultstätte mit teilweise bis zu 10 m hohen Götterstatuen und weltlichen Herrschern errichten. Doch im Laufe der Jahrtausende wurden sie teilweise zerstört. Dennoch ist nach wie vor die Anlage sehr beeindruckend, besonders die bis zu 2 m großen Köpfe der Statuen. Wir sind hier oben auf 2000m Höhe völlig allein, genießen die Atmosphäre und Aussicht und staunen mal wieder darüber, was für eine Leistung Menschen schon vor mehr als 2000 Jahren vollbracht haben.

Zurück fahren wir durch ein herrliches Tal mit blühendem Orleander und vielen Wasserquellen.

Unsere Route führt uns wieder quer durch das Land an die Schwarzmeerküste. Auf einer Strecke von 800 km müssen wir einige sehr hohe Bergketten überwinden, der Bus schafft langsam aber sicher auch diese Herausforderung. Dabei sehen wir viele saftiggrüne Hochalmen und denken manchmal, wir sind in der Schweiz. Eindrucksvoll sind blühenden Wiesen, Anne ist begeistert von dem wilden Rittersporn, der die Wiesen weithin lila leuchten lässt.

Wir fahren entlang des Euphrat, durch das Anstauen ist eine fjordartige  Landschaft entstanden, die uns sehr gut gefällt.

80 km vor der Schwarzmeerküste erklimmen wir einen 2.000 m Pass. Unerwarteter Weise werden wir von gelb blühenden Berghängen voller Rhododendren und Azaleen überrascht. Eine wahre Augenfreude. Wir entdecken auch Orchideen (Knabenkraut)und Lilien. Die Bergkuppen sind noch mit Schnee bedeckt. Leider sind die Berge sehr von dicken Wolken verhangen, als wie zum Meer hinabfahren regnet es in Strömen. Die Schwarzmeerküste ist zugebaut, die Straße führt direkt am Meer entlang und wir finden nur nach langem Suchen einen Schlafplatz.

Am nächsten Morgen machen wir eine Tour über die Berge bei Rize. Hier wird der köstliche Schwarze türkische Tee angebaut. Das Wetter meint es gut mit uns. Wir fahren auf schmalen zum Teil sehr steilen und labyrinthartigen Straßen durch die TEELANDSCHAFT…Christian ist stolz auf die Leistung,die sein geliebter Bus hier vorzeigt. Natürlich kaufen wir am Nachmittag auch den guten schwarzen Tee und genießen ihn jetzt, wo wir unseren Blog aktualisieren.

Morgen wollen wir die Grenze nach Georgien überqueren, um im Kaukasus zu wandern. Wir hoffen sehr, dass in dieser Zeit unser Visa für Turkmenistan bestätigt wird, um weiter in Richtung Osten auf der Route der Seidenstraße reisen zu können.